Währing

Historische Ansicht des 18. Bezirks, Bezirksmuseum Währing

Historische Ansicht des 18. Bezirks, Bezirksmuseum Währing

Zeittafel Währing

Von der ersten Besiedelung bis 1500

Die erste Besiedlung ist datummäßig nicht bekannt. Da die erste urkundliche Erwähnung (eine Grundherrschaft Michaelbeuern) jedoch 1170 erfolgte, ist anzunehmen, dass die Besiedelung dieses Gebietes ab ca. 1.000 n. Chr. erfolgte.

1112
Erste urkundliche Erwähnung von PÖTZLEINSDORF – Bischof Udalrich von Passau schenkt dem Stift St. Georgen in Herzogenburg ein Grundstück „ad pezelinesdorf“. Pötzleinsdorf war damals ein Grabendorf mit einer in Weingebieten gebräuchlichen Flureinteilung und Sitz eines hochfreien Geschlechtes. Schon 1083 ist ein Pezilinus in einer Urkunde des Stiftes Göttweig erwähnt.

Um 1170
Erste urkundliche Erwähnung von WÄHRING als „Warich“ in einem Rechtsstreit zwischen Abt Walter vom Stift Michaelbeuern und einem Goldschmied Bruno.

1213
Abt Friedrich vom Stift Michaelbeuern erhält von Papst Innozenz III. eine Schutz- und Bestätigungsbulle, in der auch eine „eclesia de Werech villas“ – eine Kirche im Dorf Währing – erwähnt wird.

1226
Besteht bereits eine Grundurkunde (Original im Stift Michaelbeuern) der Gertrudkirche als Gertrudenkapelle, und der Pfarre Währing.

1266
Erste Nennung von WEINHAUS, das sich aus einem Gutshof entwickelte, als Dorf. In den Dörfern wird Weinbau betrieben.

1279
Erste Erwähnung von SALMANNSDORF, ein Weinbauergassendorf.

1299
Besteht ein großer Steinbruch im Bereich des heutigen Türkenschanzparks – damals Hohe Warte genannt -, der bis 1708 dem Kaiser gehört, danach dem Schwarzspanierkloster, später als privater Steinbruch geführt wird. Von hier stammen z.B. auch die Bausteine für die Stadtmauern Wiens und die Karlskirche.

1302
Wird eine Badstube in Währing (Gentzgasse/Edelhofgasse) genannt, die bis 1728 nachgewiesen ist.

1330
Erste urkundliche Erwähnung von NEUSTIFT AM WALDE, einer Rodesiedlung im Wienerwald.

1338+1340
Große Wanderheuschreckenplagen – sie fraßen alles außer den Weinkulturen.

1344
Erste Erwähnung des „Schofberg“ (geschlägerter Wald), heute Schafberg, in einem Kaufbrief. Er ist der höchste Punkt Währings mit 389,8 m.

1434
Scheint in Dokumenten des Archivs Stift Klosterneuburg ein Grundbesitzer namens Georg Gerstler auf. Hier wird festgelegt, dass Gerstler zur Bezahlung einer Schuld einen Weingarten in der Hagenau (später Gersthof) übergeben muss.

1485
Der Ungarnkönig Matthias Corvinus belagert Wien und schlägt sein Hauptquartier in Währing „in villa Waring“ beim Wirtshaus „Zum wilden Mann“ auf, wobei der Ort teilweise beschädigt wird.

1497
Erstmals wird in einer Kaufurkunde der Name GERSTHOF (vorher als Hagenau oder Hohenau bekannt) erwähnt, benannt nach dem Gutshof Gerstlerhof.

1500-1800

1529
Erste Türkenbelagerung – es besteht vermutlich eine Schanze und ein Lager der osmanischen Truppen im Bereich des heutigen Türkenschanzparkes. Die umliegenden Orte werden verwüstet und entvölkert.
Erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle in Pötzleinsdorf.

um 1540
Wird erstmals eine Schule in Währing erwähnt, die aber offensichtlich schon früher (vor 1500?) bestand, sie wird 1683 von den osmanischen Truppen zerstört und erst 1730 neu errichtet.

1568
Warich (Währing) hat 367 Einwohner, die meisten sind evangelisch, erst ab 1628 sind die Einwohner von Warich wieder alle katholisch. (Anordnung von Abt Lambert von Michaelbeuern: „entweder katholisch werden oder auswandern“).

1582
Wird ein Gemeindehirt erwähnt, der im Halterhaus (Währinger Straße 123) wohnt. Dieses Haus wurde erst 1907 abgerissen.

um 1590
Gibt es einen schlossartigen Freihof (heute Pötzleinsdorfer Schloss), der von den Nonnen des Himmelpfortklosters als Verwaltungszentrum benützt wird. Der Hof wird im 30jährigen Krieg verwüstet, ist danach lange Jahre unbenützt. Später wird wieder ein Schloss errichtet, das sehr oft den Besitzer wechselt. 1762 von Baron Fabius Ricci in Nebengebäuden als Tuchschererei und Seidenfärberei genutzt, der es 1778 verkauft. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wird es 1781 von der Gräfin Philippina von Herberstein erworben, und hier beginnt die Geschichte von Schloss und Park Pötzleinsdorf in der heutigen Form, denn sie lässt das Hauptgebäude renovieren, die Fabriksgebäude abbrechen und einen Vergnügungspark anlegen. 1797 erwirbt der Bankier Johann Heinrich Geymüller aus Basel das Schloss und den Park sowie 1801 die Grundherrschaft von Pötzleinsdorf und lässt es umbauen und den Garten gestalten (Pappelallee von Gersthof zum Schloss) und erlaubt den allgemeinen Zutritt in den Park. Da minderjährige Kinder 1824 den Besitz erben, kauft 1839 sein Neffe Johann Heinrich Falkner-Geymüller das Anwesen. 1841 geht er in Konkurs und flieht nach Basel, wo er 1848 stirbt. Baron Simon Popper erwirbt 1842 die Grundherrschaft, das Schloss und den Park aus der Konkursmasse. Nach weiteren vielen Besitzerwechseln, die den Besitzern kein Glück brachten, vermacht der letzte Besitzer, der Möbelfabrikant Max Schmidt die Besitzung 1934 der Gemeinde Wien mit der Auflage, den Besitz für die Öffentlichkeit zu nützen, aber nicht für Fürsorgezwecke. Der Park wird 1935 für die Öffentlichkeit wieder geöffnet. 1950 wird das Schloss nach Plänen von Roland Rainer zur Jugendherberge umgestaltet. Seit 1983 ist hier die Rudolf-Steiner-Schule untergebracht.

1605
Im 16. und 17. Jahrhundert wütet 11x die Pest in Währing. Daran erinnert heute noch das Pestkreuz aus dem Jahr 1605 am Hause Währinger Straße 109-111.

1649
In Merians Topographie in Frankfurt gibt es bereits die Bezeichnung TÜRKENSCHANTZ.

1651
Erstmals erscheint die Schreibweise WÄHRING.

1682
Eine Käferplage vernichtet die Weinernte in Weinhaus.

1683
Zweite Türkenbelagerung vom 14.7. bis 11.9. (ca. 168.000 osmanische Krieger, ca. 80.000 Mann Entsatzheer). Die Türken setzen auf der Türkenschanze den letzten Widerstand gegen das Entsatzheer. Die Dörfer und Weingärten werden fast vollständig niedergebrannt.

1704
Auf Vorschlag des Prinzen Eugen wird zum Schutz der Vorstädte (Alsergrund, Josefstadt, usw.) ein Linienwall gebaut, der 1704 fertig gestellt ist. Es ist ein 13 km langer Erdwall, 4 m hoch, unten 4 m und oben 3 m breit, mit einem 4 m breiten und 3 m tiefen Graben, und 9 Toren.

1713
Wütet die Pest besonders stark in Weinhaus.

um 1728
Kaufen die Barnabiten, die seit 1482 die zweitgrößten Grundbesitzer in Währing waren, von der Gräfin Lamberg den „Freihof“ als Sitz des Amtmannes zur Ausübung der grundherrlichen Rechte (bis 1857). Das Gebäude ist bis heute (mit einigen Umbauten) in der Gentzgasse 10 erhalten und beherbergt die schwedische Kirche in Wien.

1730
Bau eines Schulhauses durch Pfarrer Johann Dempscher an der Stelle des heutigen Gertrudplatzes, die 1784 erweitert und 1818 neu gebaut wird. 1868 übersiedelt die Schule in ein neues Gebäude in der Schulgasse 19.

1737
Erste Kapelle in Gersthof, die Matthäus Lydl von Schwanau erbauen lässt, heute die Johann-Nepomuk-Kapelle Gersthofer Straße 129. Sie wird von 1784 bis 1891 als Gersthofer Pfarrkirche genutzt.

1746
Erster Schulbau in Pötzleinsdorf, Ecke Pötzleinsdorfer Straße/Geymüllergasse, 1871 wird sie aufgestockt, 1910 wird ein Neubau in der Scheibenbergstraße 63 bezogen.
Die Kapelle in Pötzleinsdorf wird zur Kirche ausgebaut.

1750
1.5.: vernichtet ein Brand die Kirche und den Ort Pötzleinsdorf fast vollständig. 1752 wird die neue Kirche zum Hl. Ägydius gebaut, die 1784 bis 1964 Pfarrkirche ist. Erst 1783 ist der Ort wieder vollständig aufgebaut.

1753
Barocker Neubau der Währinger Kirche zu den Hl. Gertrud und Laurentius.

1769
24.2.: Errichtung des „Währinger Ortsfriedhofes“, der 1873 aufgelassen wird. Seit 1925 ist hier der Schubert-Park mit einem Gräberhain zur Erinnerung der hier begraben gewesenen berühmten Personen: Beethoven, Schubert, Nestroy, Grillparzer, Eduard van der Nüll, Alma von Goethe (Enkelin des Dichters) und viele andere.

1784
Der „Währinger Allgemeine Friedhof“ wird eröffnet, er besteht bis 1877 und wird 1923 zum Währinger Park gestaltet. Der jüdische Teil – bis 1884 belegt – besteht heute noch, von den Nationalsozialisten teilweise zerstört.
Erste Erwähnung einer Kapelle zum Hl. Josef in Weinhaus im Czartoryski-Schlössel, das bereits seit 1748 bestand.

1785
Gibt es eine Schule in Gersthof im Lydl’schen Stiftungshaus, die bis 1860 besteht.

ab 1788
Es besteht eine Feuerschutzhütte neben der Kirche in Währing.

1796
17.2. Schweres Erdbeben mit erheblichen Schäden, vor allem in Pötzleinsdorf.

1800 bis 1900

Ab 1800
Währing ist eine beliebte Sommerfrische und Ausflugsziel, daher gibt es viele Gasthäuser (Währing) und Heurige (Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf).

1805-1809
Französisches Militärlager auf der Türkenschanze, die Dorfbewohner müssen für Baumaterial und Verpflegung sorgen, was zu Unruhen in der Bevölkerung führt, die vom Militär niedergeworfen werden.

1807
Erste Erwähnung einer Kirche in Weinhaus im Czartoryski-Schlössel.

1808
Baut Johann Jakob Geymüller anstelle des Hauerhauses Pötzleinsdorf Nr. 12 (heute Khevenhüllerstraße 2) ein Landhaus (heutiges Geymüller-Schlössel), das nach mehrmaligem Besitzerwechsel (u.a. Isidor und Jenny Mautner, die regelmäßig ein „jour“ am Sonntagnachmittag veranstalteten) 1938 arisiert, und 1946 von Dr. Franz Sobek dem Generaldirektor der Österr. Staatsdruckerei gekauft wird. 1965 vermacht er das Schlössel der Republik Österreich. Heute befindet sich hier ein Museum (Möbel, Bilder und Uhren).

Ab 1815
Wohnt Friedrich von Gentz in einer Sommerwohnung in einem Palais in Weinhaus, welches er 1819 kauft (er stirbt 1832 und wird auf dem Währinger Allgemeinem Friedhof beigesetzt). 1927/28 wird an dieser Stelle (Währinger Straße 169-171) ein Gemeindebau errichtet.

Ca. 1817
Fährt ein Stellwagen von der Freyung bis Weinhaus zur Währinger Straße 157, ab 1860 auch bis Pötzleinsdorf.

1826-1840
Organisiert Karl Megerle von Mühlfeld regelmäßig Theateraufführungen in der Gentzgasse 17.

1830
Hochwasserschäden durch den Währinger Bach, besonders in Pötzleinsdorf (Schloss) und Weinhaus.

1831
Cholera-Epidemie in Währing und Weinhaus.
Fürst Konstantin Czartoryski kauft von Lord Henry Wellesley ein Schlössel in der Währinger Straße (seither als Czartoryski-Schlössel bekannt). Es war ursprünglich eine Villa, 1748 von Josef Schwab erbaut, das 1807 von Friedrich Jakob van der Nüll in ein Schlössel umgebaut und 1828 an Lord Henry Wellesley verkauft wurde. 1912 kauft es die Gemeinde Wien, es wird 1923 als Kinderheim genutzt. Im 2. Weltkrieg ist es Luftschutzraum und wird 1945 durch einen Brand stark beschädigt. Es wird 1959 abgetragen und durch einen Neubau für die „Hans-Radl“-Sonderschule für körperbehinderte Kinder ersetzt.

1836
Bau des „Wasserturmes“ (Paul Sprenger) im Baumannpark der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung.

1837
Errichtung der ersten Schule in Weinhaus in der Währinger Straße 188.

1839
Konrad Dreher errichtet eine Brauerei, die nach mehrfachem Besitzerwechsel zuletzt Karl Schwarz in einer Ausdehnung von der Schulgasse bis zur Währinger Straße und Gentzgasse und bis zur Hofstattgasse gehört. Erst 1910 wird der Betrieb eingestellt und die Bauten werden abgerissen.
Johann Heinrich von Falkner-Geymüller schenkt Pötzleinsdorf ein Armenhaus Pötzleinsdorfer Straße 100, das bis 1900 besteht. 1907-1938 hat hier die O-Bus-Linie Pötzleinsdorf-Salmannsdorf ihre Garage.

1846
Wird das Armenhaus Martinstraße 92 für Währing eröffnet, das aus einer Stiftung von Pfarrer Josef Staud von 1808 hervorgeht. 1882-1923 wird es zentrales Armenhaus für Währing.

1847
Jakob Gerlach eröffnet eine Gerberei, die 1860 zu einer Lederfabrik erweitert wird und 1880 als 1. Lederfabrik Europas auf maschinellen Betrieb umgestellt wird. Ca. 1890 wird sie nach Stadlau übersiedelt. Jakob Gerlach war der letzte Bürgermeister vom Dorf Währing und der erste Bezirksvorsteher vom Bezirk Währing.

1848
Die Revolution löst auch in Währing einige Tumulte aus. Der Fleischhauer Josef Prziborsky gründet Nationalgarden zum Schutz der 4 Dörfer. Die kaiserlichen Truppen marschieren im Oktober jedoch ohne Widerstand über Pötzleinsdorf gegen Wien auf und besetzen am 31.10. Wien. Die Anführer von Wien Wenzel Messenhauser, Robert Blum, Heinrich Jellinek und Dr. Alfred Becher werden erschossen und sollen am Allgemeinen Währinger Friedhof (heute Währinger Park mit Gräberhain) begraben worden sein. Einige Revolutionäre (z.B. Ferdinand Kürnberger) können sich in Pötzleinsdorf in der Khevenhüllerstraße verstecken. Das Ergebnis der Revolution: Abschaffung der Grundherrschaften und der Leibeigenschaft der Bauern, und in den Städten wird die Gemeindeautonomie (Gemeinderat) eingeführt.
Nach dem Revolutionsjahr bekommt Währing immer mehr städtischen Charakter. 1857 bestehen hier 200 Häuser, 1880 bereits 991, 1890 1311 Häuser. Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf bleiben noch länger dörflich. Weinhaus hat 1862 61 Häuser, 1890 82, Gersthof 1853 37 Häuser, 1870 44, 1883 142 und 1890 317 Häuser. In Pötzleinsdorf gibt es 1880 150 Häuser, 1890 173.

1849
Erstes Postamt in Währing in der Gentzgasse.

1850
Josef Prziborsky wird erster Bürgermeister der Gemeinde Währing.

1853
Erstes erwähntes Haus auf den Höhen des Schafberges (spätere Knorr-Gründe).

1856
1.10.: Öffentliche Gasbeleuchtung in Währing, 1860 in Weinhaus und Gersthof, 1870 in Pötzleinsdorf.

1860-1891
Gibt es ein Armenhaus in Gersthof auf Gersthofer Straße 113, wo vormals eine Schule war. Nach 1891 ist hier die Freiwillige Feuerwehr untergebracht.

1865
Gründung der Ofenfabrik Karl Meller. Gründung der freiwilligen Feuerwehr in Pötzleinsdorf. Es ist die älteste Feuerwehr von ganz Wien.

1867
Bau der Volksschule in der Schulgasse, 1869 um einen Turnsaal erweitert, 1871/72 wird dazu gebaut. – Ab 1869 gilt die allgemeine Schulpflicht

1870
Bau des Armenhauses der Köhler’schen Stiftung in Weinhaus, Gentzgasse 126.

1870-1873
Bau des Krankenhauses der Israelitischen Kultusgemeinde – Rothschild-Spital – durch Arch. Wilhelm Stiaßny, das bis 1955 besteht. 1960 werden die Gebäude abgetragen, heute ist dort das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI).

1870-1880
Ausbau des Straßennetzes und Pflasterung der Straßen. 1874 beginnen die Einwölbung des Währinger Baches und der Bau von Kanälen.

1870-1890
Verbauung von Neu-Gersthof. 1870 Gründung der freiwilligen Feuerwehr Gersthof.

1871
Erste Freiwillige Feuerwehren in Währing und Weinhaus.

1872
Gründung des Wiener Cottagevereines nach Ideen von Arch. Heinrich von Ferstel, Gesamtplanung der Anlage durch Arch. Carl von Borkowsky, zunächst werden ca. 350 Häuser erbaut (wobei es zu Grenzveränderungen zu Döbling kommt), heute ca. 620 Gebäude. Wird Vorbild für andere Anlagen in anderen Bezirken und Städten.

1873
Bau einer 2. und 3. Schule: in der Leitermayergasse 45 und Michaelerstraße 30.
Cholera-Epidemie in Währing.

1873-1875
Bau des Hauses der Barmherzigkeit für 22 Kranke, bis 1983 weiter ausgebaut für 730 Betten.

1874-1882
Bau der neuen Universitäts-Sternwarte auf den südlichen Gründen der Türkenschanze bei Weinhaus, nach Plänen von Dr. Karl Ludwig Ritter von Littrow, Entwürfe von den jungen Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner.

1875
Anschluss der Währinger Häuser an die Erste Wiener Hochquellenwasserleitung (Bassena).

1876
Bau eines Bezirksgerichtes für Währing und Döbling in der Gymnasiumstraße 38, kommt 1925 zum Bezirk Döbling.

1879
Eröffnung einer Unterrealschule Teschnergasse 20, die 1880 in die Schulgasse 57 übersiedelt und heute als Realgymnasium in der Schopenhauerstraße 49 besteht.

1880-1882
Entstehen weitere neue Schulen in der Antonigasse 4 und Klettenhofengasse 3.

1881
Gründung eines Lehrerseminars und Internat (Marianum) in der Semperstraße 45 und der Schule in Weinhaus Köhlergasse 9.

1882
Gründung der Sparkasse der Gemeinde Währing durch Dr. Leopold Florian Meißner, die am 1.5.1884 ihre Geschäftstätigkeit beginnt, ab 1891 als „Wiener Kommunal-Sparkasse in Währing“ besteht und 1905 zusammen mit Sparkassen in Rudolfsheim, Hernals, Döbling und Floridsdorf als „Zentralsparkasse der Gemeinde Wien“ (heute BA-CA) zusammengefasst wird.

1883-1893
Bau der neugotischen Weinhauser Pfarrkirche zum Hl. Josef durch Dombaumeister Friedrich Schmidt.

1884
Gründung der Schuhcremefabrik Karl Schmoll, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Währing besteht.
Erste Pferde-Tramway vom Schottentor zum Aumannplatz, 1899 bis Vorortelinie, 1901 bis Pötzleinsdorf. Die Elektrifizierung erfolgt 1902-1903.

1887–1891
Bau der neugotischen Gersthofer Pfarrkirche zum Hl. Leopold.

1888
30.9.: Eröffnung des Türkenschanzparks durch Kaiser Franz Joseph I. Nach der Erweiterung von 1910 hat der Park heute eine Größe von 154.000 m2.

1889
Erhält Währing eine Fernsprechstelle.
Die Gemeinde Währing kauft die Gastwirtschaft „Zu den 5 Lerchen“ und lässt auf diesem Grund das Währinger Rathaus von den Brüdern Moritz und Carl Hinträger im Stil der deutschen Renaissance erbauen. Dabei wird auch eine Verkehrsfläche zur Verbindung der Martinstraße mit der Gymnasiumstraße geschaffen.

1891
Wird das Linienamt bei der Währinger Straße geschlossen.
Fertigstellung der Kanalisation in Pötzleinsdorf. 1. Schwimm- und Tröpferlbäder in Währing.

1892
1.1.: Eingemeindung der Gemeinden Währing, Weinhaus, Gersthof, Pötzleinsdorf, Salmannsdorf u. Neustift am Walde nach Wien als 18. Bezirk Währing (68.862 Einwohner, davon 61.154 in Währing). Erster Bezirksvorsteher wird Jakob Gerlach. 1938 kommen Salmannsdorf und Neustift am Walde zum 19. Bezirk Döbling.
26.11.: Gründung des „NÖ Ski-Vereines“ im Gasthaus Ludwig Strasser in Pötzleinsdorf.

1893
Erster Skiwettlauf in Österreich auf der Pötzleinsdorfer Wiese.

1893-1901
Einebnung des Linienwalles. Bau der Stadtbahn nach Plänen von Otto Wagner. 1918 wird der Betrieb wegen Kohlemangel eingestellt, nach der Elektrifizierung 1925 wieder aufgenommen (heute U-Bahn U6). Verbreiterung des Gürtels, dessen Bau bereits früher begonnen hatte. Durch den Gürtelbau kommen 1906 die Teile östlich des Gürtels an den 9. Bezirk Alsergrund.

1894-1896
Bau einer Hochschule für Bodenkultur (BOKU) – heute Universität für Bodenkultur Wien – auf der Türkenschanze (entworfen von Heinrich Koch), wird 1960 durch das ehemalige Krankenhaus der Wr. Kaufmannschaft und 1984 durch weitere anliegende Gebäude erweitert.

ab 1895
Werden auf dem Gelände des ehemaligen Kaiserschlössels (zwischen Schul-, Vinzenz-, Staud- und Lacknergasse) von der Gemeinde Wien Schulen, Volksbad, Umspannwerk und der Ebner-Eschenbach-Park errichtet. Das Kaiserschlössel ließ Kaiser Leopold I. um 1700 für seine Söhne Josef (I.) und Karl (VI.) erbauen, wurde 1823 von Erzherzog Maximilan Josef von Este zusammen mit Nebengrundstücken gekauft und zu einem Nachwuchszentrum für die Redemptoristen eingerichtet. 1866 kaufte die Gebäude das Land NÖ und verwendete sie als Zwangsarbeitsanstalt.

1896
Eröffnung eines evangelischen Heimes, 1989 neu erbaut als Evangelisches Krankenhaus.
5./6.11.: Internationales Skisportfest in Pötzleinsdorf.

1897
Erster Gersthofer Faschingszug. Durch die Kriege unterbrochen wird er am 21.2.1981 wieder ins Leben gerufen.

1897-1898
Bau der evangelischen Lutherkirche nach Plänen von Theodor Bach und Ludwig Schöne.

1898
Bau der Stadtbahn-Vorortelinie (Entwurf von Otto Wagner), die für den Personenverkehr mit Unterbrechungen bis 1932 besteht, dann nur mehr für Gütertransporte genutzt wird (1987 Wiederaufnahme des Personenverkehrs als S45).
13.12.: Eröffnung des Kaiser-Juibläums-Stadttheaters (heute Volksoper), ab 1906 zum 9. Bezirk Alsergrund gehörend.

1900 bis heute

1901-1904
Querfeldeinläufe in Pötzleinsdorf mit prominenter internationaler Beteiligung.

1906
Eröffnung des Gymnasiums Klostergasse 21-25, die Klassen waren vorher in den städtischen Schulen Cottagegasse 17 und Haizingergasse 37 untergebracht.

1907
Eine O-Bus-Linie zwischen Pötzleinsdorf und Salmannsdorf wird eingerichtet und ersetzt die Stellwagenverbindung, die seit 1870 bestand.

1907-1910
Besteht im Wilhelminensaal Thimiggasse 16 das „Neue Anzengruber-Theater“.

1908
Gründung und Errichtung des Cottage-Sanatoriums für Stoffwechsel- und Nervenkranke durch Dr. Rudolf Urbantschitsch (Pläne von Hans Kazda), es besteht bis 1940. Seit 1955 eine Wohnhausanlage für Angehörige der russischen Vertretungen in Wien.

1908-1910
Bau des Zentralkinderheimes für Findel- und Waisenkinder, und ledige Mütter mit ihren Kindern in Gersthof, in dem 1943 auch eine Frauenklinik und Hebammenschule eingerichtet wird („Ignaz Semmelweis-Frauenklinik“, 2019 in die Klinik Nord abgesiedelt), das Kinderheim „Charlotte Bühler-Heim“ wurde 1999 geschlossen, danach war vorübergehend das zentrale Pass- und Fundamt und später Schulen während der Renovierung dieser Häuser untergebracht. Heute befindet sich hier die private Amadeus-Musikschule.
1910 kommen Teile des 18. Bezirks zum 17. Bezirk Hernals.

1910-1915
Bau der Gersthofer Frauenklinik, heute Orthopädisches Krankenhaus der Stadt Wien Gersthof, 2019 in die Klinik Nord abgesiedelt.

1912
1. Sommerbad am Schafberg, besteht bis 1969. 1974 nach Umbau und Erweiterung wieder eröffnet.

1914-1918
Erster Weltkrieg. Von 140 Männern aus Pötzleinsdorf kommen 36 nicht mehr zurück, darunter auch der Bürgerschullehrer Heinrich Pichler (Marterl Pötzleinsdorf). Zahlen aus den anderen Bezirksteilen sind nicht bekannt.

1915
Die ersten Schrebergärten auf dem Schafberg werden errichtet. Ein Erholungsheim für Kinder wird gegründet (besteht bis 1934).

1918
Streik in einigen Währinger Betrieben gegen den Krieg und die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln.

1919
Dr. Robert Winterstein organisiert die „Bürgerwehr Währing-West“ zum Schutz des Cottageviertels und Pötzleinsdorf gegen Einbrüche und Überfälle.
Hauptmann Schmidl und Oberleutnant Saider gründen eine „Schutzwehr für den XVIII. + XIX. Bezirk, die 1920 in die Heimwehr aufgeht.

1920
Gründung einer Mutterberatungsstelle im Zentralkinderheim in Gersthof.

1921
Gründung der Mittelschule für Mädchen in der Haizingergasse 37.

1922
1.2.: Erhält Währing ein Jugendamt.

1923
Eröffnung einer Heilstätte für lungenkranke Frauen auf dem Schafberg (Winterbetrieb nach dem Vorbild von Davos), übersiedelt 1930 nach Lainz.
Der „Währinger Allgemeine Friedhof“ wird aufgelassen und zum Währinger Park umgestaltet.

1924
Fertigstellung der Gemeindebauten „Lindenhof“ und Pfannenstielhof“. Bis 1933 entstehen weitere 15 Gemeindebauten in Währing.

1926
Erstes Kinderfreibad im Türkenschanzpark.

1928
Übernahme der Freiwilligen Feuerwehren in Währing durch die städtische Berufsfeuerwehr.

1934
Erweiterung der Gertrudkirche durch einen Anbau an die Barockkirche.

1935
Öffnung des Pötzleinsdorfer Schlossparks für die Bevölkerung Wiens.

1937
Erste Gründung des Museumsvereines Währing, wird am 16.10.1944 aufgelöst.

1938
16.3.: Im Zuge der Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland wird das Bezirksamt aufgelöst.
Der Schriftsteller und Schauspieler Egon Friedell entzieht sich der Verhaftung durch die SA durch Freitod am 16.3.1938 (Sturz aus dem Haus Gentzgasse 7).
Ausschreitungen auf der BOKU gegen die Nationalsozialisten.
9./10.11.1938: „Reichskristallnacht“: jüdische Geschäfte und Wohnungen in Währing werden geplündert und verwüstet, das jüdische Bethaus in der Schopenhauerstraße 39 in Brand gesteckt. Bei Kriegsende 1945 sind in Währing keine Juden mehr registriert (Stand März 1938: ca. 4.000).

1938-1945
Zweiter Weltkrieg. In Währing werden 94 Gebäude durch Bombentreffer, 3 durch Brand völlig zerstört, 932 Wohnhäuser und 89 sonstige Gebäude beschädigt, das waren 7,5 % der Wohnungen. Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass 101 Personen bei Luftangriffen ums Leben kamen. Über gefallenen Soldaten aus Währing gibt es keine Ziffern, man nimmt mehr als 2.000 an, da viele der 44. Infanteriedivision angehörten, die 1942/43 bei Stalingrad vernichtet wurde.
Mitglieder der 1938 gegründeten Widerstandsgruppe „Maier-Messner“ (benannt nach dem Gersthofer Kaplan Dr. Heinrich Maier und dem Generaldirektor der Semperit-Werke Dr. Franz Josef Messner) gegen die Nationalsozialisten und den Krieg, die 1944 aufflog, unter ihnen auch Währinger, werden 1945 am letzten Tag, als Exekutionen noch stattfanden, hingerichtet.

1945
8.4.: Einmarsch der Roten Armee. Währing leistet keinen Widerstand.
Währing beginnt sich wieder zu organisieren: Am 30.4. fährt die Straßenbahnlinie 41 auf Teilstrecken wieder. Im Mai öffnen das Gersthofer und das Währinger Kino. Im August wird Währing amerikanische Zone. Im September sind die Währinger Straßen im wesentlichen unbehindert benutzbar, im Oktober ist die Versorgung mit Gas, Strom und Wasser wieder hergestellt.

1948
7.6.: Die zweite Gründung des Museumsvereins Währing durch Hans Sartory (1. Gründung 1937-1944). 4.5.1952 Eröffnung des Museums bis zu seinem Tod 4.7.1960. Die Reaktivierung des Vereines erfolgt 1965, die Wiedereröffnung des Museums 1970.

1948-1951
Wiederherstellung und Neubau von Wohnungen. 1951 ist der Vorkriegsstand von ca. 27.440 Wohnungen wieder erreicht. Bis 1984 sind es 30.507 Wohnungen.

1950
Im Pötzleinsdorfer Schloss wird ein Jugendgästehaus eingerichtet, das bis 1980 besteht. 1983 wird dort die Rudolf-Steiner-Schule gegründet.
31.8.: Aufhebung der Lebensmittelrationierungen.

1950-1955
Spielt im Czartoryski-Schlössel eine Kabarettgruppe „Gersthofer Brettl“.

1959
Eröffnung der „Hans-Radl-Sonderschule für körperbehinderte Kinder“ auf den Gründen des ehemaligen Czartoryski-Schlössels.

1961-1963
Bau der Pötzleinsdorfer Christkönig-Kirche beim Pötzleinsdorfer Schlosspark (Architekt Karl Schwanzer) – Endstation der Straßenbahn Linie 41.

1963
Eröffnung des Wirtschaftsförderungsinstitutes (WIFI) der Kammer der gewerblichen Wirtschaft (Planung von Karl Schwanzer) auf den Gründen des ehemaligen Rothschild-Spitals, wird 1986-1989 erweitert.

1973
Volksbefragung entscheidet gegen eine Verbauung des Sternwarteparks durch ein neues Zoologisches Institut.

1974
Wiedereröffnung des Schafbergbades, das seit 1912 bestand, lange Zeit wegen Baufälligkeit geschlossen war, nach Umbau und Erweiterung.

1978-1981
Bau des Seniorenheimes „An der Türkenschanze“ (Planung von Harry Glück).

1986
Fertigstellung der Neugestaltung des Gertrudplatzes und des Gersthofer Platzls.

1983
Einrichtung der Rudolf-Steiner-Schule im Pötzleinsdorfer Schloss.

1985-1989
Umbau der Stadtbahn auf U-Bahn-Betrieb (U6).

1987
30.5. Wiedereröffnung der ehemaligen Vorortelinie zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt für den Personenverkehr als Schnellbahn S 45.

1990
Eröffnung des Neubaues der „Holleinschule“ Volksschule Köhlergasse 9 (Planung von Hans Hollein).

1991
Eröffnung des Institutes für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien in der Schopenhauerstraße.
Im Oktober Einweihung des Yunus-Emre-Brunnens im Türkenschanzpark.

2004/2005
Bau, Eröffnung und Inbetriebnahme der Schubert-Park-Garage mit neuer Parkgestaltung.