Alsergrund

Bezirksmuseum
Alsergrund

Das Bezirksmuseum Alsergrund mit seiner umfangreichen Sammlung zur Bezirksgeschichte legt einen besonderen Schwerpunkt auf die beiden Autoren Heimito von Doderer und Erich Fried. Ihnen sind eigene Gedenkräume gewidmet. Das Sparefroh-Haus ist eine weitere Attraktion am Standort. Die Museumsleiter:innen betreiben zudem das "Befreiungsmuseum Wien" im ehemaligen Bunker im Arne-Karlsson-Park, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bezirksmuseum befindet.
Blick in die Dauerausstellung des Bezirksmuseums Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

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Blick in die Dauerausstellung des Bezirksmuseums Alsergrund, Fotos: Klaus Pichler

Heimito von Doderer-Raum im Bezirksmuseum Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

Bibliothek im Bezirksmuseum Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

Befreiungsmuseum im ehemaligen Bunker im Arne-Karlsson-Park, Foto: Klaus Pichler

Unter dem Titel ALSEUM sind im 9. Wiener Gemeindebezirk mehrere Einrichtungen zusammengefasst: Das Bezirksmuseum Alsergrund mit der Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirks und Gedenkstätten für die Schriftsteller Heimito von Doderer  und Erich Fried, eine umfangreiche Bibliothek, sowie das „Sparefroh-Haus“ und das Befreiungsmuseum Wien im  „Erinnerungsbunker“ im Arne-Karlsson-Park.

In der Dauerausstellung zur Geschichte des 9. Wiener Gemeindebezirks ist eine Architektur-Sammlung mit originalen Hauszeichen, Modellen und Plänen zu sehen, außerdem werden in unterschiedlichen Kapiteln die Themen Arbeit und Freizeit vorgestellt. Wohnen im Bezirk – vom Vorstadthaus zum Gemeindebau – wird ebenso thematisiert wie Kindheit anno dazumal. Außerdem werden Alltagsgegenstände rund um Einkaufen, Küchengeräte und Hygiene gezeigt. Ein Schwerpunkt dreht sich um die legendären „Wiener Wäschermädel“, die in der Gegend um den Sobieskiplatz zu Hause waren. Einige Vitrinen sind an verschwundenem Handwerk gewidmet.

Der Alsergrund war ein Zentrum der „Schwarzen Kunst“, der Buchdruckereien, woran unter anderem eine Tiegeldruckpresse und ein Setzkasten im Bezirksmuseum Alsergrund erinnern. In der Rossau befanden sich die Firmen der Sattler, Wagenbauer und später Automobilerzeuger, wie die Hoflieferanten Sebastian Armbruster und Ludwig Lohner. Einer der letzten Lohnerroller „L 150“ aus dem Jahr 1954 ist ebenfalls zu sehen.

Blick in die Dauerausstellung des Bezirksmuseums Alsergrund, Foto.: Klaus Pichler/Bezirksmuseum Alsergrund

Weitere Ausstellungsbereiche thematisieren die im 9. Wiener Gemeindebezirk ansässige Österreichische Nationalbank, die ehemalige Porzellanmanufaktur im Bezirk, Alsergrunder Künstler:innen, die Volksoper sowie die vormals zahlreichen Vergnügungslokale.

Exponate zum Thema Medizin und Forschung – Josephinum, AKH und Chemische Institute – sind ebenso ausgestellt wie zum Überbegriff Verkehr – vom Zeiselwagen bis zur Franz-Josefs-Bahn.

Die Heimito von Doderer-Gedenkstätte

Ab 1956 wohnte Heimito von Doderer in der Währinger Straße. 1972 erhielt das Bezirksmuseum Alsergrund etliche Objekte aus seinem von seiner Witwe. Eine Doderer-Gedenkstätte wurde eingerichtet, die etwa ein  Tischchen enthält, auf dem die Manuskripte zur „Strudlhofstiege“ und zu den „Dämonen“ entstanden. Auf einfachen Stellagen, die Doderer sich von einem Tischler in der Josefstadt hatte anfertigen lassen, befindet sich der Restbestand seiner einstigen Bibliothek. An den Wänden hängen Aquarelle von der Hand des Großvaters, Linolschnitte, Gouachen, Ölbilder. Neben einem Kinderportrait Heimitos, das der Vater in Auftrag gegeben hat, steht die Knabenbüste, geschaffen in Laaser Marmor von Angelo Buzzi-Quadrini. Ebenfalls ausgestellt ist die von Fritz Wotruba im Döblinger Rudolfinerhaus abgenommene Totenmaske Doderers.

Etliche Exponate sind in Vitrinen ausgestellt, so etwa Doderers Rauchzeug, eine alte Reiseschreibmaschine, Tuschefässchen, Füllfedern, auch ein (später verchromter) Steigbügel aus der Zeit des Dienstes als Einjährig-Freiwilliger bei den Dragonern, ein Opernglas aus Familienbesitz sowie Utensilien des Bogenschießens.

Heimito von Doderer-Raum im Bezirksmuseum Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

Erich Fried-Gedenkstätte

Der Wiener Lyriker, Übersetzer und Essayist Erich Fried wurde im Alsergrund geboren. Ab 1938 lebte er aufgrund seiner jüdischen Herkunft im Londoner Exil. Dort wurde als Lyriker bekannt und war in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts der meistverkaufte deutschsprachige Lyriker. Im Bezirksmuseum Alsergrund befindet sich eine Gedenkstätte mit original erhaltener Einrichtung aus London.

Mehr Informationen zu Erich Fried in den Mitteilungsblättern des Bezirksmuseums Alsergrund anlässlich des 20. Todestages im Jahr 2008 (PDF-Download):

Teil I
Teil II

Bibliothek und Archiv

Das Bezirksmuseum verfügt über umfangreiches Archivmaterial zu unterschiedlichen Themen, das in der Präsenzbibliothek eingesehen werden kann: Postkarten, Fotoansichten von Objekten am Alsergrund, Videofilme (Arthur Schnitzler, Franz Schubert …), Arthur Schnitzler-Memorial (seltene Fotos aus dem Besitz der Familie Schnitzler), Erich Fried Dokumentation, Prospekte etc.

Bibliothek im Bezirksmuseum Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

Sparefroh-Haus

Im Pavillon des Innenhofs ist seit 2006 die Sammlung Renate Steinkellner ausgestellt, präsentiert werden Weltspartagsgeschenke seit 1957. Zu den Objekten gehören lustige, nützliche, aber auch überflüssige Dinge des täglichen Lebens, die auch eine Designgeschichte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart erzählen. In vielfältiger Form zu sehen ist in der Ausstellung auch der legendäre „Sparefroh“, der es in den 1960er Jahren zu Kultstatus gebracht hatte.

Kommende Öffnungszeiten Sparefroh-Haus:

Mittwoch, 6. März 2024, 15-16 Uhr
Sonntag, 10. März 2024, 10:30 – 13 Uhr
Mittwoch, 13. März 2024, 15-16 Uhr

Sparefroh-Haus im Bezirksmuseum Alsergrund, Foto: Klaus Pichler

Befreiungsmuseum Wien im ehemaligen Bunker 

Der alte Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg im Arne-Karlsson Park war eine Schutzeinrichtung für die Wiener Bevölkerung während der Luftangriffe. 1940 errichtet, ist heute noch in nahezu originalem Zustand. Konzipiert war er für 300 Personen, Berichte überliefern allerdings, dass bis zu 800 Menschen hier gleichzeitig Schutz suchten. Die Bunkerräume wurden 2005 im Rahmen des Gedenkjahres für eine zeitgeschichtliche Ausstellung adaptiert. Studierende der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien in Kooperation mit dem Bezirksmuseum Alsergrund, Schüler:innen des Erich-Fried-Realgymnasiums und Kunstschaffenden der Künstlerischen Volkshochschule/wiener kunst schule entwickelten ein Ausstellungskonzept, das bis heute ständig erweitert wird. Viele Schüler:innenführungen finden im Bunker statt, auf Anfrage gibt es auch Führungen für Erwachsene.

Mehr Informationen zum Befreiungsmuseum Wien

Befreiungsmuseum im ehemaligen Bunker im Arne-Karlsson-Park, Foto: Klaus Pichler

Geschichte des Bezirksmuseums Alsergrund

Die Vorgeschichte des Bezirksmuseums Alsergrund reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. 1903 erschien das erste Heimatbuch „Der Alsergrund einst und jetzt“, vom Lehrer Leopold Donatin als „geographisch-historischer Anschauungsunterricht“. In den 1920er Jahren sollte es neu aufgelegt und zugleich ein Museum eingerichtet werden. Es dauerte aber bis 1957, bis sich unter Bezirksvorsteher Johann Rajnoha ein Museumsverein konstituierte. Die Erstaufstellung des Museums in zwei Räumen im Haus der Bezirksvorstehung erfolgte 1959. Museumsleiter wurde der Berufsschullehrer Franz Zabusch (bis 1968), Kustoden Volksschul-Oberlehrer Hans Mück (bis 1967) und der Buchdruckereibesitzer Alfred Wolf. Auf seine Initiative erschien 1960 das erste von 129 vierteljährlich herausgegebenen Mitteilungsheften „Das Heimatmuseum Alsergrund“.

1968 übernahm Obermuseumsrat Ernst Donatin die Leitung. 1970 gründete Alfred Wolf die „Galerie Alsergrund“. Als erste ihrer Art gab sie Kunstschaffenden aus dem Bezirk unentgeltliche Ausstellungsmöglichkeiten. 1972 entstand auf Initiative Ernst Donatins die Gedenkstätte für Heimito von Doderer mit Teilen seiner Wohnungseinrichtung. 1973 wurde aus dem „Heimatmuseum“ ein Bezirksmuseum. Im selben Jahr wurde Alfred Wolf zum Museumsleiter bestellt (bis 1991), sowie Philipp Jakob Formann und Helga Maria Wolf zu Kustod:innen.

Seit 1991 leitet der Gymnasialprofessor Wilhelm Urbanek das Bezirksmuseum Alsergrund. In seine Ära fallen 1995 die Einrichtung der Gedenkstätte für Erich Fried mit Möbeln aus seinem Arbeitszimmer, die Nutzung des Bunkers im angrenzenden Arne Karlsson-Park, 2011 die Einrichtung des Religionsraums und die Einrichtung des Sparefroh-Hauses im Hofpavillon. 2015 wurde das Befreiungsmuseum im Erinnerungsbunker eröffnet.

2015 entwickelte der Kunsthistoriker Matthias Bechtle ein neues Design-Konzept. Die verschiedenen Teilbereiche sind nun unter dem Oberbegriff ALSEUM zusammengefasst. Gemeinsam mit der Ethnologin Helga Maria Wolf und der künstlerisch tätigen Pädagogin Doris Wolf gestaltete er die Schausammlung des Bezirksmuseums Alsergrund nach dem historisch-pädagogischen Konzept von Wilhelm Urbanek in den renovierten Räumen völlig neu.

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