Josefstadt
Das Bezirksmuseum im ehemaligen Gemeindehaus der Vorstadt Josefstadt dokumentiert die Bezirksgeschichte und versteht sich als Kommunikationsort im Bezirk. Der klassizistische Festsaal wird für Konzerte, Lesungen und Vorträge genutzt.
Schild an der Fassade des Bezirksmuseums Josefstadt, Foto: Marlene Fröhlich / luxundlumen

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Foto: Marlene Fröhlich / luxundlumen

Ehemalige Hausnummern aus der Josefstadt im Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Blick in den Dauerausstellungsraum mit Schwerpunkt Theater und Musik, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Flügel der Firma Bösendorfer aus ca. 1866 mit der Produktionsnummer 3258, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Fächer aus Straußenfedern, Foto: Klaus Pichler

Damenschuh, um1860, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Großer Ausstellungsraum, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Die Geschichte der Josefstadt in Plänen und Urkunden, Foto: Klaus Pichler

Festsaal des Bezirksmuseums Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Das Bezirksmuseum Josefstadt von außen, Foto: Klaus Pichler

Stiegenhaus des Bezirksmuseums Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Auf ca. 500 m² Ausstellungsfläche bietet das  Bezirksmuseum Josefstadt jährlich verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen. Im Erdgeschoss befinden sind die Räume für wechselnde Sonderausstellungen. Die Dauerausstellung zur Geschichte des 8. Bezirks ist im ersten Stock untergebracht, ebenso ein Raum, der den jeweiligen Themenausstellungen zum „Tag der Wiener Bezirksmuseen“ gewidmet ist.

Als Einstimmung finden die Besucherinnen und Besucher im Stiegenhaus historische Haus- und Konskriptionsnummern, die einen ersten Eindruck zur im 1. Stock befindlichen Dauerausstellung geben.

Ehemalige Hausnummern aus der Josefstadt im Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Theater und Musik als Themenschwerpunkte 

Die Dauerausstellung zur Geschichte der Josefstadt im Obergeschoss ist in verschiedene Themenschwerpunkte gegliedert. Ein Ausstellungsraum ist dem Theater und der Musik gewidmet. Hier befinden sich neben Kostümen, Theaterzettel, Originalnoten etc. auch zwei historische Klaviere – eine echte Rarität, ein Flügel der Firma Bösendorfer aus ca. 1866. Dieser stammt aus dem Besitz von Franz von Suppé (1819-1895) und wurde von der Enkelin des Komponisten, Else Keller-Suppé, dem Bezirksmuseum überlassen.

Blick in den Dauerausstellungsraum mit Schwerpunkt Theater und Musik, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Die Firma Bösendorfer, die noch heute zu den führenden Unternehmen in der  Klavierbaukunst zählt, hat ihren Ursprung in der Josefstadt. Der spätere Firmengründer Ignaz Bösendorfer (1794–1859) absolvierte ab 1815 seine Lehre in der renommierten Klaviermacherwerkstätte von Joseph Brodmann (1763–1848) „Am Glacis 43“, der heutigen Lenaugasse 7. Von ihm übernahm Bösendorfer 1828 den Betrieb.

Flügel der Firma Bösendorfer aus ca. 1866 mit der Produktionsnummer 3258, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Das zweite Klavier stammt aus dem Nachlass des Komponisten Edmund Eysler (1874-1949). Er schuf unzählige Operetten, wie „Bruder Straubinger“ oder „Die goldene Meisterin“. Ihm ist ein Teil des Ausstellungsraumes gewidmet.

An Josef Matthias Hauer (1883-1959), dem Pionier der 12-Tonmusik, erinnern Fotos, Originalnoten und eine Totenmaske von Wander Bertini (1925-2019). Er wohnte in der Josefstädter Straße 74 .

Josefstädter Bühnen

Einige der Bühnen im Bezirk – wie das Theater in der Josefstadt, das Kabarett Niedermair oder das Vienna English Theatre erfreuen das Publikum heute noch. An andere, längst vergangene Vergnügungsstätten wie „Das grüne Tor“ (ehemals Lerchenfelder Straße 14) erinnern Postkarten und überlieferte Programme. So ist auch die Geschichte des 1961 demolierten Stadttheaters in der Skodagasse dokumentiert. Hier spielte Karl Farkas den feschen Sigismund im „Weißen Rössl“.

Eine besonderes Objekt ist ein Fächer aus Straußenfedern, den der Überlieferung nach Kaiserin Elisabeth (1837-1898) der Hotelbesitzerin Anna Sacher (1859-1930) anlässlich eines Balles im Vergnügungsetablissement „Zum grünen Tor“ überreichte.

Fächer, Geschenk von Kaiserin Elisabeth an Anna Sacher, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Gaststätten, Handwerker, jüdisches Leben

Im großen Ausstellungsraum finden Besucherinnen und Besucher allerhand Wissenswertes rund um verschiedene Themen aus der Geschichte des 8. Bezirks.
Vom gotischen Türschloss über handgefertigte Damenstiefeletten bis zu verschiedensten Werkzeugen wie zum Beispiel aus Bäckereibetrieben und Apotheken wird Handwerk und Gewerbe der ehemaligen Vorstadt Josefstadt dokumentiert.

Damenschuh, um1860, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Eine Vitrine erinnert an das Schicksal der Kinder und ihrer meist ledigen Mütter in den Institutionen Gebäranstalt und Findelhaus, das sich bis zum Jahr 1910 in der Alser Straße 23 befand. Dazu erschien 2021 die Publikation „…VOR SCHAND UND NOTH GERETTET“?! Findelhaus, Gebäranstalt und die Matriken der Alser Vorstadt.

Gezeigt werden außerdem Pläne der 1910 abgerissenen Kavalleriekaserne, an deren Stelle der Hamerlingplatz und 47 Häuser entstanden, sowie Fotos von Bürgerhäusern und Betrieben.

Auch Gasthäuser und Kaffeehäuser sind seit jeher ein fixer und wichtiger Bestandteil des heutigen 8. Bezirks. Diese wurden in der Ausstellung „Gasthäuser, Beisln und Cafés in der Josefstadt“, thematisiert und nachhaltig in der Publikation „SCHWARZER BOCK BLAUER HECHT. Die Josefstädter Gaststätten von ihren Anfängen bis in die 1960er-Jahre“ dokumentiert.

Ein Ausstellunsbereich ist dem Leben und dem Wirken des in der Josefstadt beheimateten Dichters Friedrich Hebbel (1813-1863) und seiner Frau, der Burgschauspielerin Christine Enghaus (1815-1910), gewidmet.

Großer Ausstellungsraum, Bezirksmuseum Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Der Entwicklung der jüdischen Josefstadt ist ein großer Bereich gewidmet. So veranschaulicht eine Dokumentation über die 1938 zerstörte Synagoge die Geschichte der jüdischen Bevölkerung. Die Erinnerungstafel „Personen jüdischer Abstammung in der Josefstadt 1938-1945 verfolgt, vertrieben, ermordet“ ist eine Auflistung von 4.656 Personen – davon starben 1.985 Personen als Opfer der Shoah. Mehr Informationen.

Historische Pläne und ein Vertrag

In einem weiteren Raum befinden sich historische Pläne der Josefstadt. Angefangen mit einer Darstellung des  „Meldeman-Plans“ von 1531 über den Vogelschauplan von Daniel Huber aus 1769/74 bis hin zu Originalstichen von Salomon Kleiner werden die Bezirksgeschichte und die Palais der Josefstadt dokumentiert. Eine Kopie des Originalvertrages, mit dem Marchese Hippolito Malaspina 1700 seinen Besitz an die Gemeinde Wien verkaufte, ist zu sehen.

Die Geschichte der Josefstadt in Plänen und Urkunden, Foto: Klaus Pichler

Wohltäter, Andenken, Festsaal

Im Gang des ersten Stocks informieren Gedenktafeln an Josefstädter Wohltäterinnen und Wohltäter. Unter ihnen der Nadlermeister Peter Sanetty (1814- 1885), der Stifter eines städtischen Knabenwaisenhauses (Josefstädter Straße 95, erbaut 1881-1884). Mit Hilfe der Stiftung seiner Ehefrau Karoline wurde im gleichen Haus ein Mädchenwaisenhaus errichtet (Eröffnung 1889).

Eine Zeittafel gibt einen kurzen Überblick in die Geschichte der Josefstadt.

Am Eingang zum Festsaal erinnern Gemälde und Fotos an die Künstlerin und Antifaschistin Trude Waehner (1900 bis 1979), nach der im Jahr 2021 der Alser Spitz in Trude-Waehner-Platz umbenannt wurde.

Festsaal des Bezirksmuseums Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Der Festsaal des Bezirksmuseums wird für vielfältige Kulturveranstaltungen genutzt. Das Museum sieht sich als Servicestelle und als Plattform für Aktivitäten der Bewohnerinnen und Bewohner der Josefstadt, aber auch für Gäste aus Nah und Fern.

Zum Veranstaltungskalender.

Das Bezirksmuseum Josefstadt von außen, Foto: Klaus Pichler

Gebäudegeschichte – Das alte Gemeindehaus

Die erste Bebauung des heutigen Grundstückes Schmidgasse 18/Langegasse 40  – wo sich heute das Bezirksmuseum sowie die Volkshochschule befinden -ist bereits seit 1697 nachweisbar. Der erste Besitzer war der Spaliermacher (Tapetenmacher) Michael Pindter.

Im Jahr 1841 erwarb die Gemeinde Josefstadt das Haus, ließ es abreißen und errichtete auf dem Areal das neue Gemeindehaus. Der Grundstein dazu wurde am 23. November 1844 in Gegenwart des Bürgermeisters Ignaz Czapka gelegt. Baumeister war August Engelbrecht (1807-1887), der das Gebäude als palaisartigen Bau im Renaissancestil entworfen hat.

Stiegenhaus des Bezirksmuseums Josefstadt, Foto: Klaus Pichler

Vom 13. Oktober 1845 bis ins Jahr 1860 diente es als Gemeindehaus der Vorstadt Josefstadt, danach als Bezirksamtsgebäude des Bezirkes Josefstadt. Von 1854-1891 befand sich zusätzlich eine Volksschule für Mädchen im Gebäude. Als im Jahr 1912 das neue Amtshaus am Schlesingerplatz errichtet wurde, hatte das Gebäude in der Schmidgasse als Bezirksamt ausgedient und wurde in der Folge für verschiedene Einrichtungen genutzt, wie zwischen 1934 und 1970 für die Hauptbücherei der Städtischen Bibliotheken mitsamt Verwaltung und Ergänzungsbücherei für die Zweigstellen.

Im Erdgeschoß befand sich bereits seit 1847 eine Gaststätte und bis Juni 2023 das Restaurant „Schnattl“. Im zweiten Stock, den heutigen Räumen der Volkshochschule Josefstadt, befanden sich bis 1970 Wohnungen.

Im Jahr 1981 zog das Bezirksmuseum Josefstadt in das Haus ein, nach einer dreijährigen Generalsanierung des gesamten Hauses wurde das Haus 1992 und damit auch das Bezirksmuseum wieder eröffnet. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

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