Im Tröpferlbad
Kunstinterventionen

Im Zeitraum von März bis Juli 2021 wurde das Tröpferlbad im Bezirksmuseum Wieden mit vier aufeinanderfolgenden künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Themen Hygiene und Institution Bezirksmuseum bespielt. Die Publikation dokumentiert mit zahlreichen Fotos von Klaus Pichler anschaulich das Projekt, ergänzt durch Interviews der Kuratorin Alina Strmljan mit den neun Künster: innen.

© Verlag für Moderne Kunst

Publikation: Im Tröpferlbad. Kunstinterventionen, Bezirksmuseum Wieden, Verlag für Moderne Kunst, 2022

Von 1893 bis 1978 war das Gebäude des Bezirksmuseums Wieden in der Klagbaumgasse 4 ein städtisches Volksbad, ein sogenanntes Tröpferlbad. Im Vorfeld einer neuen Ausstellung zur Geschichte des Hauses wurde der original erhaltene Duschraum im Museum von März bis Juli 2021 für neue Perspektiven auf seine Geschichte geöffnet: Junge Künstler:innen wurden im Vorfeld eingeladen, den leeren Raum zu nutzen und sich vor Ort mit dem Thema Hygiene und der Institution Bezirksmuseum zu beschäftigen.

Entstanden sind vier ortsspezifische, ephemere künstlerische Arbeiten, die einem vergessenen Ort auf material- und raumsensible Weise neues Leben einhauchten sowie vermeintlich weit voneinander entfernte Welten von Heimatmuseum und zeitgenössischer Kunst und Design miteinander verbanden. Gleichzeitig handelte es sich bei der Ausstellungsreihe um institutionskritische Interventionen. Vielschichtig, aber ebenso mit einer mitunter humorvollen Leichtigkeit hinterfragten die Künstler*innen normative Setzungen von Geschichtsschreibung, Philosophie, alltäglichen Körperpraxen und staatliche Einrichtungen und traten – gemeinsam mit der Kuratorin – in einen Austausch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Wissenschaft und Kunst, Regeln und Verbote sowie Fakt und Fiktion.

Thematisch handelt es sich um Installationen zur Verflechtung von Hygiene und Gewalt im Spiegel der westlichen Moderne (Laura Stoll: The Lost Faces | Purification), Körper- und Moraldiskursen in Bädern (Marlene Hübner und Amelie Schlemmer: Changing Cabinet), selektiver Geschichtsschreibung und queerfeministischer Kritik (WIEDEN LEAKS) sowie um eine hegemoniekritische Auseinandersetzung mit staatlichen Erziehungsangeboten (Leo Mayr und Martin Weichselbaumer: weisse Flagge).

In der Publikation sollen die ephemeren Arbeiten vorwiegend durch eine umfassende fotografische Dokumentation von Klaus Pichler langfristig Interessent:innen sowohl von lost spaces, der mitunter kuriosen Geschichte der Wiener Bezirkskultur als auch aktueller zeitgenössischer ortsspezifischer Kunst zugänglich gemacht werden. Ergänzt durch Gespräche zwischen Kuratorin und Künstler:innen, Kontextualisierungen der Kunst durch historische Objekte sowie museologischen Überlegungen zum Umgang mit wilden Museen, authentischen Räumen und geschichtsphilosophischen Fragestellungen der kuratorische Praxis ist die Publikation außerdem ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit künstlerischer Forschung und ortsspezifsicher Kunst sowie der transdisziplinären Zusammenarbeit von Künstler:innen und Historiker:innen.

Herausgeberinnen: Alina Strmljan, Curatorial Fellow Wien Museum und Sonja Gruber, Wien Museum

Verlag: Verlag für moderne Kunst

Gestaltung: lenz + henrich gestalterinnen, gabriele lenz und elena henrich

120 Seiten
Preis: 15,- Euro