Favoriten
Die Geschichte von Favoriten begann vor über 200 Jahren und war geprägt von Arbeit und Industrie. In den Wienerberger Ziegeleien wurde etwa das Material für den Ausbau der Stadt produziert. Bekannte Gebäude im Bezirk sind der Wasserturm am Wienerberg, der Viktor-Adler-Hof und das Amalienbad. Heute schätzen viele Wienerinnen und Wiener die Ausflugsgebiete des Bezirks - den Kurpark Oberlaa, das Laaerbergbad und den Böhmischen Prater.
Blick vom Laaerberg, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

v.o.n.u.:

Blick vom Laaerberg, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Plan von 1706, Bezirksmuseum Favoriten

Das „Favoriten Tor“ mit „Favoriten Linie“, Bezirksmuseum Favoriten

Staatsbahnhof Wien, 1880, Bezirksmuseum Favoriten

Bezirksrat Johann Steudel, Bezirksmuseum Favoriten

Arbeiter:innen in einem Ziegelwerk, Bezirksmuseum Favoriten

Viktor Adler, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Böhmischer Prater in historischen Ansichten, Bezirksmuseum Favoriten

Böhmischer Prater heute, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Fabriksgebäude der Firma Heller, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Amalienbad, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Eröffnung der U-Bahn, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Kurpark Oberlaa, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Kurzentrum Oberlaa, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Weinanbau in Favoriten, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Die Entstehung von Favoriten

Maßgeblich für die Namensfindung war das ehemalige Jagdschloss Favorita (heute Theresianum). Daran vorbei führte eine Straße nach Süden durch das „Favoriten Tor“ im Linienwall. Außerhalb des Walls entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts die „Siedlung vor der Favoriten Linie“.

Plan von 1706, Bezirksmuseum Favoriten

Das „Favoriten Tor“ mit „Favoriten Linie“, Bezirksmuseum Favoriten

Begünstigt wurde die Besiedelung durch die Wienerberger Ziegeleien und den Bau von Ost- und Südbahn. Weitere Firmengründungen trugen zur Entwicklung des Wirtschaftsstandorts bei, unter anderem eine Chemiefabrik und eine Feigenkaffeefabrik.

Staatsbahnhof Wien, 1880

Diese „Siedlung vor der Favoriten Linie“ gehörte zum 4. Bezirk, der Wieden. Auf Betreiben von Bezirksrat Johann Steudel entstand 1874 aus dieser Siedlung und Teilen des 4. und 5. Bezirks ein neuer Wiener Gemeindebezirk, genannt Favoriten. Auch das Arsenal wurde zugeordnet. Den Spitznamen „10. Hieb“ erhielt Favoriten durch diese Abtrennungen.

Bezirksrat Johann Steudel, Bezirksmuseum Favoriten

Später kam es zu einer Erweiterung durch den Laaer- und den Wienerberg, die Gemeinde Inzersdorf und durch Teile von Oberlaa. Nach Änderungen in der NS-Zeit erfolgte 1954 die letzte große Erweiterung, und zwar wurden die ehemaligen Dörfer südlich der Donauländebahn Rothneusiedl, Ober- und Unterlaa eingegliedert. Danach gab es nur noch kleinere Grenzverschiebungen.

Die Entwicklung von Favoriten als Industrie- und Arbeiterbezirk

Ab der 1. Hälfte es 19. Jahrhunderts entwickelte sich Favoriten zum Industrie- und Arbeiterbezirk, vor allem durch die Wienerberger Ziegeleien, den Bau von Ost- und Südbahn, einer Teerfabrik, einer Chemiefabrik und weiteren Ziegelöfen. Durch den billigen Baugrund siedelten sich Metall- und Maschinenbaubetriebe an, auch waren die Lebenshaltungskosten außerhalb des Linienwalls niedriger.

Unwürdige Lebensbedingungen in den Ziegelwerken

Die zahlreichen Ziegeleien bewirkten eine Zuwanderung von Arbeiterinnen und Arbeitern, vor allem aus Böhmen und Mähren, die sogenannten „Ziegelböhm“.

Arbeiter:innen in einem Ziegelwerk, Bezirksmuseum Favoriten

Die Arbeitsbedingungen für die Menschen in den Ziegeleien waren am Ende des Jahrhunderts verheerend, Verwahrlosung und Verelendung war die Folge. Viktor Adler wies auf diese Missstände hin. Durch die wiederholten Zeitungsartikel von Dr. Viktor Adler wurden die Arbeitsbedingungen verbessert. In weiterer Folge kam es zur Gründung der Wiener Arbeiterbewegung und nachfolgend zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

Die Ziegelfabrik am Wienerberg wurde in den 1960er-Jahren geschlossen.

Viktor Adler, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Der Böhmische Prater

Zuerst Werkskantine für die Arbeiterinnen und Arbeiter der Ziegelwerke, dann Ausflugsgasthaus, bald umgeben von Fahrgeschäften – der „Böhmischen Prater“ nahm seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, wurde er wieder aufgebaut und gilt bis heute als Vergnügungsort für Familien.

Böhmischer Prater in historischer Ansicht

Böhmischer Prater in historischer Ansicht

Böhmischer Prater heute, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Rege Bautätigkeit nach Bezirksgründung

Die Bezirksgründung hatte rege Bautätigkeit zur Folge. Es entstanden Kirchen – wie etwa die Keplerkirche -, das Kaiser Franz Joseph-Spital, das Magistratische Bezirksamt, viele Schulen und Kindergärten. Später siedelten sich Firmen wie Hutter&Schranz, Heller, Anker und Brown Boverie an.

Fabriksgebäude der Firma Heller, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

Nach 1900 wurden unter anderem das Arbeiterheim und die heutige Trostkaserne errichtet, auch Wohnungen der Gemeinde Wien entstanden – wie etwa der Viktor Adler Hof oder der George Washington Hof. Das Amalienbad galt zur Zeit seiner Errichtung (1923 -1926) als größtes Hallenbad Europas.

Bautätigkeit nach 1945

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mussten viele Wohnbauten saniert werden. Auch neue Anlagen entstanden, wie zum Beispiel die Per Albin Hansson Siedlungen West, Nord und Ost. Weithin sichtbar ist die Wienerberg City mit ihren Hochäusern. In Unterlaa befindet sich das größte Umspannwerk von Wien. Die erste U-Bahn (1978) führte vom Karlsplatz zum Reumannplatz, seit 2017 kann man mit der U1 bis Oberlaa fahren.

Eröffnung der U-Bahn, Foto: Bezirksmuseum Favoriten

2005 wurde die Favoritenstraße zu einer Fußgängerzone. Für Fußballfreunde gibt es die Generali-Arena (erstmals errichtet 1925, bis 2010 Franz-Horr-Stadion).

Grüne Ausflugsziele im Bezirk Favoriten

Durch Aufforstungen auf dem Laaer- und Wienerberg entstanden grüne Naherholungesgebiete. Das 1959 eröffnete Sommerbad Laaerberg sorgt für Erfrischung an heißen Tagen. Der 608.000 Quadratmeter große Kurpark Oberlaa wurde im Rahmen der Wiener Internationalen Gartenschau 1974 (WIG 74) angelegt.

Kurpark Oberlaa, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Eine in den 1930er-Jahren gefundene Thermalquelle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Thermalbad mit einem Kurmittelhaus eröffnet und später als Kurzentrum Oberlaa neu angelegt.

Kurzentrum Oberlaa, Foto: Bezirksmuseum Favoriten, H. Wenzel

Außerdem gibt es in Oberlaa einen kleinen, aber feinen Weinanbau.

Weinanbau in Favoriten, Foto: Bezirksmuseum Favoriten