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10. Juni 2026 18:30 Uhr
Was ist Philosophie? Deskriptive und revisionäre Zugänge
Raffael, Die Schule von Athen, 1510 bis 1511, Foto: Wikimedia Commons
Eine Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte
Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten im Bezirksmuseum Wieden wird eine Anmeldung unter bm1040@bezirksmuseum.at empfohlen.
Der Vortrag führt an zwei Weisen heran, die metaphilosophische Frage ‚Was ist Philosophie?‘ zu beantworten: einen beschreibenden (deskriptiven) und einen bewertenden bzw. korrigierenden (revisionären) Zugang. Das Selbstverständnis jeder besonderen philosophischen Praxis sieht sich mit dem Problem einer historischen und interkulturellen Vielfalt solcher Praktiken konfrontiert, die gegen die Auffassung der Philosophie als eines einheitlichen Phänomens sprechen. Vor dem Hintergrund eines rein deskriptiven Zugangs scheinen alle definitorischen Bestimmungen der Philosophie entweder zu weit oder zu eng zu geraten; überzeugender ist ein pluralistisches Bild im Sinne der Familienähnlichkeiten. Gleichzeitig gilt, dass jede besondere philosophische Praxis revisionäre Entscheidungen erzwingt: Wer philosophiert, bevorzugt, grenzt ab und entwirft – wenigstens implizit – Vorstellungen davon, was Philosophie sein soll. Plädiert wird daher für eine Pluralität nicht nur philosophischer Praktiken, sondern auch metaphilosophischer Zugänge, in der Beschreibung und Korrektur jeweils ihre eigene Legitimität besitzen.
Michael Schmidt, BA MA ist Universitätsassistent am Zentrum für Wissenschaftsgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, studierte Psychologie und Philosophie. Seine Masterarbeit erschien 2023 unter dem Titel „Die Ästhetik Karl Leonard Reinholds: Transzendentalphilosophische Geschmackskritik vor Kant“ bei De Gruyter in der Reihe Reinholdiana.