Unsere
Veranstaltungen

Bezirk
15. Rudolfsheim-Fünfhaus
Monat
November
Jahr
2026
Kategorie
Lesung

20. November 2026   17:30-19:00

Max Winter: „Vier Stunden im unterirdischen Wien“

Einladung zur szenischen Lesung von Max Winters Reportageklassiker im Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus

  • Veranstaltung: Szenische Lesung: Max Winter – „Vier Stunden im unterirdischen Wien“
  • Rahmen: 6. Traute Molik-Riemer Tagebuchtag
  • Wann: Freitag, 20. November 2026, 17:30 bis ca. 19:00 Uhr
  • Wo: Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus, Rosinagasse 4, 1150 Wien
  • Mitwirkende: Andre Blau (Dramatisierung, Lesung Max Winter), Thomas Reithmayer (Lesung Speckelmoritz), Traute Molik-Riemer (Kurzgeschichten), Michael „Mike“ Wanzenböck (Musik), Lukas Arnold (Impulsvortrag); Moderation: Brigitte Neichl & Andre Blau
  • Eintritt frei, Spenden willkommen!

👉 HIER ANMELDEN!

Dort hinsehen, wo die Stadt den Atem anhält

Was verbirgt sich tief unter den Gehsteigen unseres Bezirks – an jenen dunklen Orten, die den meisten Menschen zeitlebens verborgen bleiben?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wagte der Journalist, spätere Wiener Vizebürgermeister und Pionier der verdeckten Sozialreportage Max Winter (1870–1937) ein aufsehenerregendes Experiment: Im abgewetzten „Elendsfrack“ stieg er an der Kreuzung Hollergasse/Siebeneichengasse in die Tiefen des Rudolfsheimer Kanalnetzes hinab. An seiner Seite stand der erfahrene Kanalarbeiter und Strotter Speckelmoritz, der ihn auf eine vierstündige, zutiefst beklemmende „Schlieftour“ durch teils kaum 1,10 Meter hohe, finstere Gewölbe führte. Für einen Weg, den man an der Oberfläche in fünfzehn Minuten spaziert, krochen die beiden stundenlang durch Schlamm und erstickenden Moder – auf der Suche nach Knochen, Metallresten und ein paar verlorenen Kreuzern.

Winters 1902 in der Arbeiter-Zeitung veröffentlichter Tatsachenbericht „Vier Stunden im unterirdischen Wien“ ging in die Mediengeschichte ein. Er dokumentierte nicht nur das unvorstellbare Elend der Wiener Kanalstrotter, sondern zeichnete auch ein berührendes Bild unerwarteter Solidarität und Würde unter den Ärmsten der Gesellschaft.


1902-02-04 Arbeiter-Zeitung S 6, ANNO

Ein lebendiges Kammerspiel: Andre Blau und Thomas Reithmayer im Dialog

Anlässlich des 6. Traute Molik-Riemer Tagebuchtages erwacht diese historische Untergrund-Expedition zu neuem Leben. Der Wiener Autor und Liedermacher Andre Blau hat Winters Reportage packend für zwei Stimmen dramatisiert und übernimmt die Rolle des couragierten Reporters. Als authentischer Gegenpart schlüpft Thomas Reithmayer, langjähriger Mitarbeiter des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus, in die Gestalt des Strotters Speckelmoritz. Gemeinsam lassen sie die bedrückende Enge, das giftige Brodeln der Abwässer, aber auch den unverwüstlichen Wiener Schmäh der Kanalgilde hautnah spürbar werden.

Begrüßung:
Museumsleiterin Brigitte Neichl.

Moderation und Führung durch das Programm:
Brigitte Neichl & Andre Blau

 

Hommage an die Gründerin: Traute Molik-Riemer als Ehrengast

Ein besonderer Höhepunkt des Abends gilt Traute Molik-Riemer: Sie rief 2006 das bundesweite Literaturprojekt der Tagebuchtage ins Leben. Um ihr langjähriges Engagement zu würdigen, wird der Tagebuchtag im Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus seit 2021 ihr zu Ehren offiziell als „Traute Molik-Riemer Tagebuchtag“ begangen. Als Ehrengast wird die vielseitige Künstlerin und Autorin persönlich anwesend sein und das Publikum mit einer Lesung aus ihren Kurzgeschichten bereichern.

Eingebettet in das Jahresthema: „Wasser – Natur und Kultur“

Die Lesung bildet ein thematisches Glanzlicht im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Wasser – Natur und Kultur“, die noch bis Jänner 2027 im Bezirksmuseum zu sehen ist. Sie rückt jene oft vergessene, düstere Seite des städtischen Wasserkreislaufs in den Fokus: die historische Kanalisation als Schauplatz härtester menschlicher Überlebenskämpfe.

Dass Max Winter dem Team des Museums besonders am Herzen liegt, zeigte bereits eine vorangegangene Inszenierung: Bereits im Vorjahr widmete sich das Haus Winters utopischem Zukunftsroman „Die lebende Mumie – Ein Blick in das Jahr 2025“. Wer vorab in Erinnerungen schwelgen möchte, findet den Mitschnitt online:
👉 Bezirksmuseum 15: Max Winter – Ein Blick in das Jahr 2025 (Lesung)

Klang und Historie: Hochkarätiges Rahmenprogramm

Für zusätzliche atmosphärische Höhepunkte sorgen zwei profilierte Gäste:

  • Michael „Mike“ Wanzenböck (Puppenspieler, Restaurator und Liedermacher) steuert ein eigens komponiertes Lied über die Welt der Kanalstrotter bei.
  • Lukas Arnold, Fotograf und Obmann des Vereins „Unter Wien IG“, liefert spannende Einblicke in historische und moderne Wiener Unterwelten.

Ausblick: Andre Blau live erleben

Wer Moderator und Rezitator Andre Blau bereits vor dem Tagebuchtag auf der Bühne erleben möchte, hat dazu beste Gelegenheit:

  • Vom 19. bis 22. Oktober 2026 lädt er gemeinsam mit Alexander Sedivy jeweils ab 19:00 Uhr zum beliebten LLL-Festival (Liedermacherinnen-Liedermacher-Lounge) unter dem Motto „ALLES IM FLUSS“ in die Alte Schieberkammer (Meiselstraße 20/Ecke Eduard-Sueß-Gasse) ein.

—-
Seit 2021 findet der Tagebuchtag im Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus unter dem Namen „Traute Molik-Riemer – Tagebuchtag“ statt.

Traute Molik-Riemer wurde in Kiel geboren, wuchs aber in der Nähe von Wien auf. Sie arbeitete als Sekretärin und bestand 1963 die Matura am Abend-Gymnasium für Arbeiter und Angestellte in Wien-Fünfhaus (Henriettenplatz).

Neben Beruf und Abendschule studierte sie an der Universität für Angewandte Kunst bei Prof. Knesl Bildhauerei. Dieses Studium blieb unvollendet, da die Künstlerin einen Sohn zur Welt brachte und heiratete.

1970 machte sich Traute Molik-Riemer, nach einem Intermezzo als Modedesignerin und Mannequin, als Grafik-Designerin selbständig und arbeitete als freie Illustratorin für internationale Werbeagenturen in Wien und den Diners Club Austria. Sie ist Mitglied im Berufsverband Design Austria.

1994 erschien ihr Gesundheitsbuch „Gymnastik in der Badewanne“ im Orac-Verlag, das auch ins Holländische übersetzt wurde. 1996 folgte im va bene Verlag das Buch „Gesund – schlank –positiv mit Wassermeditation“. Jeweils mit eigenen Illustrationen.

Das Thema Wasser nahm Traute Molik-Riemer auch in ihren Ölbildern auf, die seit dem Jahr 2000 entstanden sind. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland – auch mit anderen Serien („Assoziationen“, „Bild-Bilder“ usw.) – folgten.

Aktuell wird die Künstlerin von der Galerie M 2Korbei in Hietzing vertreten.

2006 initiierte Traute Molik-Riemer in ganz Österreich das Kultur- und Literaturprojekt TAGEBUCHTAGE, das sie 10 Jahre lang mit großem Erfolg ehrenamtlich organisierte.

Die TAGEBUCHTAGE fanden jährlich im November statt und umfassten mehr als hundert Veranstaltungen in Österreich, sowie einige in Deutschland.

Das Projekt wurde von Wien Kultur bis 2016 gefördert. Nach der Übernahme durch eine mit der Initiatorin befreundete PR-Agentur entstanden naturgemäß höhere Kosten, die von Wien Kultur leider nicht mehr gefördert wurden.

Dennoch haben einige Institutionen – wie das Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus, die Gesellschaft für Musiktheater, der Literaturstammtisch LiLaLei, die Arbeitsgemeinschaft Autorinnen in der VHS Ottakring, die Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen, der CI Club/Pfeiffer und der Pilum Literaturverlag in Strasshof – zum Teil bis heute die Idee der TAGEBUCHTAGE fortgeführt.

Seit 2021 wird im Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus regelmäßig der „Traute Molik-RiemerTagebuchtag“ an einem Freitag im November abgehalten.

Durch ihr eigenes Projekt angeregt, begann Traute Molik-Riemer Gedichte und über ihr eigenes Leben zu schreiben. In der Anthologie „Kinder – Küche – Karriere“ (Böhlau Verlag 2013) ist ihr Beitrag „Der weite Weg zum Traumberuf“ erschienen.