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Gersthof (früher Hagenau genannt)

Durch viele Jahrhunderte bedeckte dichter Wald die Hänge des Schafberges. Wann die ersten Weingärten an der Hohenwart und an der Dürrwaring entstanden sind, wissen wir nicht.

Herzog Albrecht V. belehnte um 1400 seinen Forstmeister Hans Zink, um seiner Verdienste willen, mit "Gütern und Gülten in der Hagenau". Dieser verkaufte die Gründe, laut einer Urkunde im Archiv des Stiftes Klosterneuburg am 14. November 1413, an den Pfarrer Andreas Plank. Dieser wiederum veräußerte diese Gründe, die in Berg- und Vogtrecht und Dienst auf Weingarten "an dem Alsegg in der Waligris und in der Hagenau" bestanden, dem Chorherrenstift St. Dorothea in Wien. Das erste Urbarium des Stiftes von 1435 nennt noch keine Häuser, nur Weingärten, ein Gorig (Georg) Gerstler war dem Stifte dienstbar. Dieser Gerstler besaß einen großen Bauernhof in der Hagenau. Ein späterer Besitzer verkaufte den Hof "der früher dem Gerstler gehörte" im Jahre 1455 auch an das Dorotheerstift.

Schon im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde aus dem Gerstlerhof einfach "Gersthof". Ereignisse von größerer Bedeutung sucht man vergebens in der Geschichte von Gersthof, ausgenommen einige Pest- und Dürrejahre, jedoch war Gersthof auch bei den Türkenbelagerungen 1529 und 1683, wie alle anderen Orte, fast völlig zerstört.

Im Hause Gersthofer Straße 129 wurde 1670 Matthäus Lidl von Schwanau geboren. Dieser schlug unter Prinz Eugen mehrere Schlachten, wurde zum Hofkriegsrat ernannt und kehrte im Alter wieder in sein Geburtshaus zurück. Er ließ neben diesem Haus eine Kapelle erbauen, die ihm auch als Grabstätte diente. Der Bau war 1737 vollendet, war für jedermann zugänglich und wurde 1784 zur Pfarrkirche von Gersthof erhoben. Zu dieser Zeit zählte Gersthof 22 Häuser.

Durch die Klosterneuordnung durch Josef II. im Jahre 1782 wurde auch das Stift St. Dorothea aufgelassen und mit dem Stift Klosterneuburg vereint. So gingen auch die Gersthofer Grundrechte an die Klosterneuburger Stiftsherren über.


In weiterer Folge erwarb der Großhändler Andreas von Popper die Grundherrschaft Gersthof. Er ließ 1806 vier alte Häuser, unter denen sich auch der Gerstlerhof befand, niederreißen und erbaute an ihrer Stelle das heute nicht mehr vorhandene "Gersthofer Schloss" (heute Gersthofer Straße 115-123).  Nach mehrfachem Besitzerwechsel kaufte die N.Ö. Landesregierung das Schloss, um darin das Findelhaus unterzubringen. 1908-1910 wurde statt dessen ein Neubau errichtet, das N.Ö. Landes-Zentralkinderheim", das nach der Trennung Wiens von N.Ö. (1922) von der Stadt Wien übernommen wurde, die 1943 zwei der fünf Pavillons zur "Ignaz-Semmelweis-Frauenklinik" umbaute. Das Kinderheim wurde 1995 geschlossen. In diesen Pavillons befindet heute die Amadeus-Museikschule. Die Semmelweis-Klinik wurde 2019 in die Klinik Floridsdorf (Krankenhaus Nord) umgesiedelt, die Gebäude stehen derzeit leer.

Als die Grundherrschaften 1848 erloschen, wurde am 5. Juli 1850 der bisherige Ortsrichter Johann Schwarz Bürgermeister von Gersthof; ihm folgte Karl Bastien, der dieses Amt 28 Jahre lang bekleidete. 1892 kam Gersthof zum 18. Wiener Gemeindebezirk.

Am Ostabhang des Schafberges befanden sich nur Äcker und Weingärten. Die große Wohnungsnot während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien bewirkte die Gründung des „Wiener Wohnungsreform-Vereines“, der die Parzellierungsbewilligung in Neu-Gersthof erhielt. 1869 wurde das erste Haus gebaut. Das war der Anfang der Cottage-Kolonie in Neu-Gersthof und ergab eine sprunghafte Entwicklung der Häuser und Einwohnerzahl zwischen 1870 (44 Häuser und 356 Einwohner) und 1883 (142 Häuser und 1.370 Einwohner).

1890 wurde auf dem heutigen Bischof-Faber-Platz die neue Gersthofer Pfarrkirche errichtet. Sie entsprang einem dringenden Bedürfnis, da die bisherige Pfarrkirche in der Gersthofer Straße 129 die rasch wachsende Bevölkerung nicht mehr aufnehmen konnte. Man pflegte früher zu sagen, die Kirche sei so klein, dass der Pfarrer von Gersthof vom Stellwagen überfahren werden könne, wenn er am Altar die Messe lese.


Bezirksmuseum
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1180, Währinger Straße 124
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Doris Weis

Tel:     01/4000 18127
Mail:   bm1180@bezirksmuseum.at
 
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