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Bezirksgeschichte Ottakring

Ottakring als Ursprung des heutigen 16. Bezirkes wird urkundlich erstmals 1147 in einem Salzburger Traditionskodex erwähnt. Die damalige Schreibweise des Ortsnamens war „Otacherin“. Er leitet sich vom Namen des Anführers der Dorfgründer, Graf Otakar, ab. Diese ließen sich – aus Bayern kommend – um 1000 n.Chr. auf dem Höhenrücken zwischen Ameisbach und Ottakringer Bach nieder. Das entspricht dem Gebiet des heutigen Ottakringer Friedhofes.

Eine Urkunde aus 1230 liefert den Nachweis, dass die Ansiedlung „Otakringen“ über eine Kirche verfügte, die „Zu den sieben Nussbäumen“ genannt wurde und dem heiligen Lambert (Lamprecht) geweiht war. Damals übte bereits über diesen Teil des Wienerwaldes das Stift Klosterneuburg grundherrschaftliche Rechte aus.

Die Ottakringer*innen lebten vor allem von Weinbau und Milchwirtschaft. Allmählich entstand östlich der ursprünglichen Ansiedlung eine neue Siedlung entlang des Ottakringer Baches, die die 1416 geweihte Wolfgang-Kapelle einschloss. Brandschatzungen feindlicher Horden, wiederholter Ausbruch von Seuchen(Cholera und Pest), Missernten undOsmanische Belagerungen der nahegelegenen Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien (1529 und 1683) bedrohten im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder die Existenz der Ottakringer*innen. Nach den Zerstörungen 1683 bauten die wenigen Überlebenden ihr altes Dorf nicht mehr auf, sondern siedelten sich links und rechts des seinerzeit frei fließenden Ottakringer Bachs an.

Neulerchenfeld entstand ab etwa 1695, als der Propst des Stiftes Klosterneuburg, Christoph II. Matthäi, Bauparzellen im Osten des Gemeindegebietes an Zuzügler vergaben. Die neue Siedlung umfasste ca. 150 Grundstücke entlang dreier paralleler Straßen der Oberen Gasse (Gaullachergasse), der Mittleren Gasse (Neulerchenfelder Straße) und der Unteren Gasse (Grundsteingasse) und wurde ursprünglich Unter-Ottakring bezeichnet. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch der auf die Flur bezogene Name Neulerchenfeld („die neue gemain auf dem lerchenfeldt“) immer mehr durch. Spannungen zwischen den Ortsbewohnern von Ottakring und Neulerchenfeld führten dazu, dass die Grundherrschaft 1703 der Bitte Letzterer um Gewährung eines eigenen Gemeindestatuts entsprach.

Die Siedlungs-Entwicklung Ottakrings lässt sich also in mehrere Abschnitte gliedern:

  • erste Ansiedlung rund um die Lambertkirche,
  • der heute als „Alter Ort“ bezeichneten Teil bei der Wolfgang-Kapelle,
  • das kurz danach gegründete Unter-Ottakring (Neulerchenfeld) und
  • Neu-Ottakring, das im zweiten Drittel des 19.Jh. zwischen Neulerchenfeld und Alt-Ottakring entstand.

Ab etwa 1870 setzte die gründerzeitliche Bebauung ein und bewirkte die zunehmende Urbanisierung der Landschaft.

 

Zwei Brand-Katastrophen unterbrachen die Entwicklung der aufstrebenden Dörfer: 1785 wurde Neulerchenfeld beinahe gänzlich und 1835 Ottakring zu 70% eingeäschert. Ansonsten waren die Dorfgeschichten wie jene aller anderen Vororte eingebettet in den Fluss der Historie des Großraums Wien. Dieser wies markante regionale Ereignisse und Abläufe auf, die nicht selten von europäischer Tragweite waren. Sie reichen – im Zeitraffer - von der Errichtung des Linienwalls (1704) über die Kriege mit dem Napoleonischen Frankreich und die Besetzungen Wiens 1805 und 1809, den Wiener Kongress 1814 und die Neuordnung Europas, über die industrielle Entwicklung mit ihren gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen, über die Revolution(en) 1948, die neue Reichsverfassung und das Ende des Feudalismus, über Gründerzeit, Börsenkrach (1873),die ständige Zuwanderung verarmter, ungebildeter Landbevölkerung, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Verelendung der Industriearbeiter, Verproletarisierung, Arbeiterbewegung, über die Konstituierung der Sozialdemokratischen Partei (1888/89) bis zur Eingemeindung der ehemaligen Niederösterreichischen Vororte, beschlossen 1890, wodurch Groß-Wien entstand, unterteilt in 19 Bezirke.

 

Anton Zagorski war der letzte Ottakringer Bürgermeister. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung am 17. April 1891 wurde ein Komitee gegründet „mit dem Mandate, für Verfassung einer Gemeindegeschichte und Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel Sorge zu tragen“. Dieses Zitat stammt aus dem Buch: „Geschichte der Gemeinde Ottakring“, die zu schreiben Karl Schneider beauftragt worden war.

Wahrscheinlich 1892, im Erscheinungsjahr, überreichte Zagorski ein ledergebundenes Exemplar der „Geschichte Ottakrings“ dem Wiener Bürgermeister Dr. Johann Nepomuk Prix. Der Widmung war nachstehendes Gedicht beigefügt:

Das Buch von Karl Schneider: Geschichte der Gemeinde Ottakring. Selbstverlag des Comité d. Gemeinde Ottakring. 1892. 

Link: http://www.digital.wienbibliothek.at/wbr/nav/classification/425706 


Ab dem 1. Jänner 1892 bestimmen Politik und Verwaltungsmaßnahmen der Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien die weitere Entwicklung Ottakrings ebenso wie aller anderen Bezirke. Zunächst setzt ein Modernisierungsschub samt Ausbau der kommunalen Infrastruktur ein, die Bevölkerung wächst zufolge Zuwanderung enorm, man spricht von der sog. späten Gründerzeit. Dann jedoch erschüttern nicht nur Ottakring sondern ganz Mitteleuropa von 1914 bis 1918 der Erste Weltkrieg und von 1938 bis 1945der Zweite Weltkrieg. Gegen dessen Ende erfolgen besonders schwere Luftangriff auf Ottakring. Die Bezirke 6, 14, 15 und 16 bilden ab September den französischen Sektor, die Bürger-Schule am Schuhmeierplatz wird Sitz der französischen Kommandantur bis 1955. Nach Kriegende beginnt Wien mit dem Wiederaufbau.



Weiterführende Literatur: F. Czeike, Ottakring, Wiener Bezirkskulturführer, 1981; W. W. Weiss, Die Kuffner-Sternwarte, Wiener Bezirkskulturführer, 1984; F. Czeike und W. Lugsch, Studien zur Geschichte von Ottakring und Hernals (1840-1910), 1955; F. Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5 Bände, 1992-97.

Weiterführender Link:https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Vororte

 

Wien Bibliothek im Rathaus online:

Die Geschichte der Entwicklung der Wiener Vorstädte: nach authentischen Quellen zusammengestellt von Blümel, Jakob: https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/401666

Berg, Leopold. Wien und die Vereinigung der Vororte.1876. https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/387674





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16. Ottakring

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