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KLINGENDES WIEN

Hans W. Bousska und Ernst Weber


Die Wiener sind leidenschaftliche Freunde der Musik und des Gesanges, verstehen nicht nur zu musi­ziren, zu singen und zu jodeln, sondern auch zu erfinden …

Die Wiener Melodien zu loben oder zu empfehlen, ist ganz überflüßig, denn sie loben und empfehlen sich selbst am besten …

Diese allerliebsten Melodien zeichnen sich aber nicht nur durch ihre Qualität, sondern auch durch ihre ­Quantität rühmlichst aus: mit jedem Tage tritt eine neue ins Leben, wird in allen Straßen, Tavernen, Gärten, T­abagien gespielt und gesungen, bis nach einigen Tagen eine glücklichere Nebenbuhlerin sie verdrängt. So wie in ­Paris sind diese Liederchen in Wien ein allgemeines ­Nationalbedürfniß, und der Wiener würde nicht ganz froh sein können, wenn er nur zu kifeln und zu pipperln und nicht auch vollauf zu singen hätte …“

August Ellrich (Albin Johann Baptist Meddlhammer), Genre-Bilder aus Oestreich und den verwandten ­Ländern. Berlin 1833.

 

So und noch viel ausführlicher beschreibt ein Berliner Reiseschriftsteller die „Musikstadt Wien“ zu einem Zeitpunkt, als sich das Leben der Stadt unter dem Druck des Metternichschen Regimes nach innen konzentriert, auf die bürgerliche Idylle und auf die schönen Künste. Sowohl im Heim als auch im öffentlichen Raum steht das Singen und Musizieren in Blüte, auf allen sozialen Ebenen, von den verrufenen Spelunken des Spittelbergs bis in die Salons des Adels.

Das wienerische Lebensgefühl ist keineswegs auf den engen Zeitraum des „Biedermeier“ beschränkt, und auch das Revolutionsjahr 1848 markiert keine scharfe Zäsur im Kulturleben Wiens. Zwar geht mit Beethoven und Schubert die große Tradition der „Wiener Klassik“ zu Ende. Auch das Berufsbild der Komponisten hat sich verändert. Sie sind in ihrem Schaffen unabhängig von Hof und Adel geworden und genießen die Gunst von Mäzenaten. Doch das Bildungsbürgertum tritt nun neu auf den Plan, entwickelt sein Engagement nicht nur in der Salon- und Hausmusik, sondern ermöglicht durch sein Interesse an der Hochkultur die Entwicklung des Konzertwesens, die Gründung der Musikvereine, der Gesangsvereine, der Konservatorien. Die Gastspiele ­internationaler Stars werden bejubelt, große Musikfeste ziehen die Massen an. In den Salons werden die steirischen und tirolerischen Jodler modern. 

Zur gleichen Zeit tritt der „Wiener Walzer“ unter der Ägide von Strauss und Lanner seinen Siegeszug an, die vielen Faschingsbälle, Hausbälle, Redouten sind auch für ein breites Publikum, für Kleinbürger und Hand­werker zugänglich.

Die Harfenisten und Bänkelsänger sind von den Straßen verschwunden, dem Bedürfnis der Bevölkerung nach Theater- und Musikerlebnis kommen die lizenzierten Volkssängergesellschaften auf kleinen Bühnen bei festen Eintrittsgeldern nach. Mit der musi­kalischen Hochkultur kommt man noch am ehesten in der Kirche in Berührung, mit der Militärmusik auf den Straßen, und die Werkelmänner bringen die neuesten Melodien auf die Plätze und in die Höfe der Stadt, ­lange vor der massenmedialen Verbreitung der Musik.

Besonders lebhaft entwickelt sich das Musikleben in den Wirtshäusern und Heurigenschänken der ­Vorstädte und der Vororte. Man unternimmt ­Landpartien nach Neulerchenfeld oder in die Heurigenorte am ­Rande des Wienerwaldes und lässt sich dort von den Tanzmusikanten unterhalten, mit kunstvollen Instrumental­tänzen aus Ländlern, Jodlern und Liedweisen, und von den singenden Fiakern. Bei diesen „Natur­sängern“ und parallel dazu bei den „Volkssängern“ entwickelt sich das klassische Wienerlied in einer Mischung aus ländlichen Volksliedweisen und städtischen Theaterliedern, Couplets, Gassenhauern, Operettenschlagern. Die Veränderung des Stadtbildes in der Ringstraßen-Ära führt zu einer Reaktion in den Liedtexten. Sie lassen das „alte Wien“ der „guten alten Zeit“ neu entstehen, und spätestens jetzt ist deutlich erkennbar, dass der Geist des Biedermeier lebendig geblieben ist. Die Brüder Schrammel werden zum Inbegriff eines neuen aus den Volksmelodien entstandenen Musikstils und geben ihm den Namen – „Schrammelmusik“.

 

Bezirksmuseum
12. Meidling

1120, Längenfeldgasse 13-15
Museumsleiterin
Prof. Dr. Vladimira Bousska


Tel:   01/817 65 98
(Mo-Fr  9.00-13.00 Uhr)
Fax:  01/817 65 98 - 12
Email:
bm1120@bezirksmuseum.at
Erreichbarkeit
U 4, U 6 - Längenfeldgasse

12A - Längenfeldgasse
59A - Hans-Mandl-Berufsschule
(Längenfeldgasse)
63A - Hans-Mandl-Berufsschule
(Längenfeldgasse)


Öffnungszeiten
Sonntag 9.30 bis 11.30 Uhr

Mittwoch  9.00 bis 12.00 Uhr 
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