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Geschichte des Bezirksmuseums Alsergrund

von Dr. Wilhelm Urbanek,
Leiter des Bezirksmuseums
(seit 1992)

Ich möchte Sie, sehr geehrte Leser und Leserinnen, nicht mit Aufzählungen langweilen. Da aber viele der handelnden Personen bereits das Zeitliche gesegnet haben, fehlt in dieser Zusammenstellung jenes Element, das normalerweise die Heimatmuseen so spannend macht: der direkte Bericht Betroffener, die Erzählungen der Beteiligten. Das ist leider nicht mehr möglich, dennoch soll diesen Menschen, die teilweise Gigantenarbeit leisteten, als sie das Bezirksmuseum Alsergrund gründeten, hier der ihnen zukommende Platz zuteil werden.

Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wollte der damalige Bezirksvorsteher des Alsergrundes, Josef Schober (1919-1934) das alte, 1904 von Leopold Donatin geschriebene Heimatbuch neu auflegen.

In diesem Zusammenhang hätte man schon damals gerne ein Heimatmuseum errichtet. Die Ideen des Schulreformers Otto Glöckel legten nahe, vom bekannten Umfeld der Kinder auszugehen, vom Heimatbezirk. Auch versuchte man nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie, die eigene Tradition stolz zu präsentieren. Obwohl sich in verschiedenen Bezirken Lehrerarbeitskreise an die Gründung eines Bezirksmuseums machten, war man aus finanziellen Gründen im Alsergrund nicht erfolgreich.

Der nächste Anlauf wurde 1935, zehn Jahre später, vom nunmehrigen Bezirksvorsteher Franz Erban unternommen. Nach den Prinzipien der Vaterländischen Front sollte ein Museum gegründet und ein Heimatbuch herausgegeben werden. Es ist interessant, dass in diesem Aufruf vom Juni 1935 eine „aus dem Arbeiter-Bildungsverein Alsergrund hervorgegangene Arbeitsgemeinschaft“ für ein „Bezirks-Heimatmuseum“ genannt wird. Der Arbeiter-Bildungsverein Alsergrund zeichnete auch als Herausgeber und Verleger des Flugblattes. Man rechnete mit der zahlreichen Mitarbeit aus der Lehrerschaft, da eine solche Tätigkeit karriereförderlich war. Auch dieses Projekt scheiterte an der Finanzierung und an den historischen Umständen. Damals brachte der engagierte Verleger Oskar Hinterberger ein Heimatbuch heraus: „Der Alsergrund zu Großvaters Zeiten“. 200 handsignierte Exemplare wurden aufgelegt, auf 113 Seiten wurden die Alsergrunder Straßen von Achamergasse bis Brünnlgasse (Buchstabe A-B) behandelt. Diesen 113 Seiten stehen 47 Seiten Inserate gegenüber, ein erstaunliches Zeichen des öffentlichen Interesses und der Unterstützung, das wohl durch die politischen Umstände bedingt war. Diesmal scheiterte das Unternehmen „Heimatbuch“ also eher nicht am Finanziellen, sondern am ungeheuerlichen Arbeitsaufwand eines solchen Projektes. Daran wäre ja beinahe auch die Fotodatenbank gescheitert, die 2001 vom Bezirksmuseumsteam fertig gestellt werden konnte und noch beschrieben werden wird.
  

Aufruf zur Gründung eines Bezirksmuseums Alsergrund aus dem Jahr 1935.

Oskar Hinterberger fertigte damals (1935) auch mehrere Modelle von Bauobjekten des Bezirkes an, die in verschiedenen Museen landeten. Drei davon konnten vom damaligen Kustos Friedrich Metejicek restauriert werden (1995) und sind im Bezirksmuseum zu besichtigen.

Erst am 1. August 1957 kam es dann zur eigentlichen Gründung eines Museumsvereines unter dem sozialistischen Bezirksvorsteher Johann Rajnoha – vorher bei der MA 48 (Fuhrwerks- und Kolonialbetrieb) beschäftigt. Rajnoha wurde erster Präsident des Museumsvereines. Man traf sich jeden Dienstag von 17:00 Uhr bis etwa 19:30 Uhr. Die reiche Sammeltätigkeit unter der Leitung des Bezirksvorstehers führte bereits nach zwei Jahren zu einer Ausstellung. Zuvor gelang es dem rührigen Bezirksvorsteher, in seinem Amtshaus die dafür nötigen Räume freizumachen. In fachlicher Hinsicht wurde er mit Rat und Tat von dem unermüdlichen Leiter des Hernalser Heimatmuseums, Franz Zabusch, unterstützt. Dieser spendete aus seiner Privatsammlung zahlreiche Objekte für das Heimatmuseum Alsergrund. Am 19. Juni 1959 wurde das Bezirksmuseum Alsergrund in der Währinger Straße 43 eröffnet – wo es sich noch heute befindet. Hier stand bis 1860 auf einem zwei Meter hohen Hügel das k. k. Militär-Montur-Depot. 1863 wurde diese Bodenerhebung abgetragen

Anwesenheitsliste von 1958; in der ersten Zeile Bezirksvorsteher Johann Rajnoha.

Sollte Volksschul-Oberlehrer i.R. Hans Mück die zahlreichen Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft des Bezirkes würdigen, so war es die Aufgabe von Ing. Alfred Wolf, die Topographie des vielschichtigen Bezirkes aufzuzeigen. Eine fleißige Arbeitsgemeinschaft mit den Herren Hans Fritscher, Hans Honst, Franz Mayerhofer, Walter Ohl und Heinrich Salz sowie Hans Fohringer und Dr. Erwin Zugschwert werkte ein Mal wöchentlich. Die Museumsräume bestanden zur Zeit der Gründung aus zwei großen Zimmern.

Nach der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Bezirksvorsteher Major Roman Köchl (März 1962) kamen vier weitere Räume dazu. Seit 1965 stehen auch noch zwei ebenerdige Kanzleiräume und der gesamte Keller des Hauses dem Museum zur Verfügung

September 1965:
Es gibt eine weitere Vergrößerung unseres Heimatmuseums zu vermelden. Die Schauräume in Wien IX, Währinger Straße 43, 2. Stock, bestanden bei der Gründung aus 2 Zimmern. Im vergangenen Jahr erfolgte eine Erweiterung auf 5 Räume und heuer werden es insgesamt 6 Räume für Ausstellungszwecke sein. Gleichzeitig wird die Kanzlei und der Arbeitsraum, ebenerdig beim Eingang, neu zur Verfügung stehen.
Das Mitteilungsblatt, illustriert und mit Artikeln aus der Bezirksgeschichte, ist bisher in 23 Ausgaben kostenlos erschienen. (Mitteilungen, 24/1965, S.3)

Seit August 1960 erscheint die periodische Zeitschrift „Das Heimatmuseum Alsergrund – Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des IX. Bezirkes“ mindestens viermal jährlich. Inzwischen ist das Museumsheft bei Nr. 164 angelangt und ergibt mit über 3200 Seiten ein veritables Bezirkslexikon, das mittlerweile leider nicht mehr kostenlos verteilt werden kann. Das äußere Erscheinungsbild und die inhaltlichen Zielsetzungen haben sich im Lauf der Zeit verändert. Das Papier wird feiner, immer mehr Fotos tauchen auf und die Tendenz geht weg vom interessanten Allerlei zur Monographie.
 

Museumsheft Nr. 1 vom August 1960; das Exemplar hat stark gelitten.

Dazu Bezirksvorsteher Roman Köchl (ÖVP), Dezember 1965:
Mit der vorliegenden Folge unseres Mitteilungsblattes „Das Heimatmuseum Alsergrund” haben wie die 25. Ausgabe erreicht. Wir waren unter den ersten Wiener Heimatmuseen, als wir mit August 1960 beginnend ein neues Mitteilungsblatt herausgegeben hatten.
(Mitteilungen, 25/1965, S.3)

Kustos Hans Mück legte schriftlich im Frühjahr 1967 seine Funktion nieder. Seine Arbeit für den Alsergrund wird in diesem Heft noch an gesondertem Ort gewürdigt. (Vgl. Kapitel „Museumsteam“ im vorliegenden Heft). Im Jahre 1968 übernahm Obermuseumsrat i. R. Dr. Ernst Donatin die Leitung des Bezirksmuseums.

3. Juni 1970: Bezirksvorsteher Karl Schmiedbauer (SPÖ) wird Präsident.
In seine Zeit fällt am 14. Juni 1970 die Gründung der Galerie Alsergrund. Die Galerie übersiedelte nach einer Pause in die Markthalle Ecke Nußdorfer Straße / Alserbachstraße, wo sie sich noch immer befindet.

Bezirksvorsteher Schmiedbauer dazu 1972:
Es ist uns heuer gelungen, durch einen kompletten Umbau der Parterreräumlichkeiten im Hause der Bezirksvorstehung, nicht nur die Galerie Alsergrund zu vergrößern - sondern sie auch vollkommen neu und modern zu gestalten.

Dank der Initiative von Obermuseumsrat Dr. Ernst Donatin, konnte ein bleibender Gedenkraum für den großen Dichter unseres Bezirkes, Heimito von Doderer geschaffen werden. Die Eröffnung dieses Dichtergedenkzimmers und der damit verbundenen Heimito von Doderer-Gedächtnisausstellung wurde von Frau Vizebürgermeister Gertrude Fröhlich-Sandner, in Anwesenheit vieler Ehrengäste und starker Anteilnahme der Bevölkerung vorgenommen. Besonders danken wollen wir an dieser Stelle Frau Maria Doderer, der Witwe unseres großen Dichters, die vollkommen uneigennützig diese Originaleinrichtungsgegenstände und viele persönliche Dinge unserem Museum zur Verfügung stellte.

Aber noch ein besonderes Ereignis wollen wir zum Abschluss dieses Jahres würdigen. Unser Mitteilungsblatt „Das Heimatmuseum Alsergrund“, konnte heuer als Jubiläumsnummer die 50. Ausgabe herausgeben. Es war dies eine besonders festliche Schrift, in der Frau Vizebürgermeister Gertrude Fröhlich-Sandner im Vorwort schrieb: „ . . . Das Bezirksmuseum Alsergrund ist dadurch zum Vorbild für viele andere Museen geworden.“ Darauf können wir sehr stolz sein! ! (Mitteilungen, Dez 72 53/1972)

Nummer 50 der Mitteilungsblätter „Das Heimatmuseum Alsergrund“, März 1972

Seit 1973 hat das Museum einen neuen Namen.Aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 8. Februar 1973:

Nach den weiteren Berichten und der Entlastung des Vorstandes, wurde nach längerer Diskussion dann mit überwältigender Mehrheit (bei einer Gegenstimme), eine Statuten- und Namensänderung beschlossen. In fast jedem Bezirk unserer Stadt gibt es nun ein Bezirksmuseum, um damit die Gemeinsamkeit mit ganz Wien zu betonen und eine verstärkte Zusammenarbeit untereinander und mit der „Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirksmuseen“ zu erreichen.

Als neuer Leiter unseres Museums wurde Herr Ing. Alfred Wolf und als Kustoden Herr Diplomkaufmann. Philipp Jakob Formann und Frl. Helga Wolf in Vorschlag gebracht.

Nachdem Ing. Alfred Wolf bereits die Geschäftsführung des Museums innehatte, war es nur logisch, dass er 1973 die Leitung des Museums unter den Präsidenten des Museumsvereines Karl Schmiedbauer (SPÖ, Bezirksvorsteher Mai 1969 – Dezember 1978) und Wolfgang Schmied (ÖVP, Bezirksvorsteher Dezember 1978 – Dezember 1991). Ing. Wolf legte sein Ehrenamt 1991 nieder.

Nach einem „Interregnum“ von einigen Monaten wurde Dr. Mag. Wilhelm Urbanek vom neuen Präsidenten des Museumsvereines, Hans Benke, (SPÖ, Bezirksvorsteher seit Dezember 1991) nominiert und einstimmig vom Vorstand zum Leiter des Bezirksmuseums ernannt.

1995 gelang es, die Möbel aus dem Arbeitszimmer des 1938 aus seiner Alsergrunder Heimat nach London vertriebenen jüdischen Dichters Erich Fried zu erhalten. Im Fried-Gedenkraum befindet sich auch eine Dokumentation zu Frieds Leben 1921-1939 (Flucht nach London). Zu Erich Fried und dem Fried-Gedenkraum vergleichen Sie bitte des Kapitel „Wien–London und nur halb zurück; Erich Fried und der Alsergrund“ in diesem Heft. Wir danken der Witwe Erich Frieds, Catherine Fried-Boswell, die uns die Einrichtungsgegenstände zur Verfügung stellte. Die Spedition Sobolak transportierte unentgeltlich die Möbel des Dichters von London nach Wien.

Im Juni 2001 wurde ein Memorial für die Familie Schnitzler eingerichtet, da die Schnitzlers mit der Poliklinik, die das Bezirksmuseum bald beherbergen wird, auf das Engste verbunden sind. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Bezirksvorsteher Hans Benke ist es gelungen, diese Möglichkeit einer dringend gebotenen und lange ersehnten Vergrößerung wahrzunehmen. (Vgl.: Kapitel „Die Poliklinik“ und „...er war und ist und bleibt ein Urwiener“)

Dazu Bezirksvorsteher Hans Benke:

Eine große Freude bereitet es jetzt mir als Bezirksvorsteher, dass das Bezirksmuseum ein schönes, neues Heim bekommt: ein eigenes Haus. Auf 800m2 wird es dann möglich sein, mehr Objekte auszustellen, mehr Material zu präsentieren, die Sammlung auszuweiten und auch die sozialen Belange nicht zu kurz kommen zu lassen. Es ist mir vor allem daran gelegen, ein Bezirksmuseum einzurichten, das Spaß macht, mit allen Sinnen erlebbar ist und in dem auch die modernen Medien ihren Platz haben. Ich freue mich, dass es gelungen ist, einen Teil der ehemaligen Poliklinik, die ja im öffentlichen Interesse und als Stiftung solidarischer Menschenfreunde gegründet worden ist, wieder dem Dienst an der Öffentlichkeit zu widmen.“ [März 2001, Mitteilungen 163]

Die Übersiedlung in das neue Haus und dessen Einrichtung wird uns die nächsten Jahre über beschäftigen.

Gestaltung der Seite: Dr. Wilhelm Urbanek

9. Alsergrund

Währingerstraße 43

Tel.:    0676/611 9232

E-Mail: bm1090(at)bezirksmuseum.at


Öffnungszeiten:
Mittwoch 9.00 -11.00 Uhr

Sonntag 10.00 - 12.00 Uhr
Juli, August und zu den Schulferien geschlossen!


Erreichbarkeit:

  • Straßenbahn 5 bis Spitalgasse/Währinger Straße

  • Straßenbahn 37, 38, 40, 41, 42 bis Sensengasse


Kontakt für Anfragen:


Dr. Willi Urbanek, Museumsleiter

Mobil: 0676/722 1933