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Vernissage Polyphonie der Sprache: Jura Soyfer - Schreiben für eine bessere Welt

Vernissage Jura Soyfer - Maren Rahmann singt Vertonungen von Jura Soyfer Lyrik - Herbert Arlt führt in dieie Ausstellung ein

Schreiben für eine bessere Welt
Jura Soyfer (1912-1939) begann in frühester Jugend für Zeitungen politische Lyrik, Satiren und Sketches zu schreiben. Ab 1929 war er Mitglied des politischen Kabarett und schrieb regelmäßig in der Arbeiterzeitung. Als politisch engagierter Linker war es ihm ein Anliegen mit Humor seine Zeitgenoss_innen auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen. Bis heute wirken viele seiner politischen Satiren in der Tradition von Karl Kraus aktuell.

1933 wurde in seiner Wohnung in der Lindengasse 41/11 in Wien Neubau von der austrofaschistischen Polizei verhaftet. Diese Verhaftung diente der Gestapo 1938, als Soyfer bei seinem Fluchtversuch in die Schweiz festgenommen wurde, als Grund für die Deportation ins Konzentrationslager Dachau. Dem Novemberpogrom folgte der Transport in das Konzentrationslager Buchenwald, wo aufgrund der hygienischen Bedingungen das erste Massensterben von Häftlingen stattfand und auch Jura Soyfer am 16. Februar 1939 mit 26 Jahren ums Leben kam.
Die Ausstellung im Bezirksmuseum Neubau zeichnet den Lebensweg von Jura Soyfer mit Fotos und Texten nach.
Darüber hinaus zeigen wir Originalskripten und Erstausgaben in vielen Sprachen von und über Jura Soyfer.
Zur Vernissage wird Maren Rahmann Jura Soyfer Texte und Lieder mit ihrer Ziehharmonika präsentieren. Herbert Arlt von der Jura Soyfer Gesellschaft leitete in die Ausstellung ein.

Flucht-Exil-Heimat - Ein Stammtsich in New York Vernissage

Besucherinnen bei der Veranstaltung
Vernissage Flucht-Exil-Heimat -

Das Leben jüdischer Überlebender der Shoah in den USA, Wien und Israel

Seit 40 Jahre trifft  sich in NEW York  im Wohnzimmer der heute 98-jährigen Frau Gaby Glückselig jeden Mittwoch eine gesellige Runde von Emigranten um zumindest einmal in der Woche Deutsch sprechen zu können und Geschichten und Erinnerungen auszutauschen.

Oft wird beim Stammtisch bis spät in die Nacht über Politik, Kultur oder auch Europa und das Leben im Exil diskutiert. Für die regelmäßigen Gäste ist der Stammtisch längst zu einer Art Familie zusammengewachsen.

Die Fotografin Shani Bar On und der Journalist und Dokumentarfilmer Emil Rennert wollten die lebendige Runde dokumentieren: die unterschiedlichen Strategien der Beteiligten im Weiterleben und Ankommen in New York beleuchten und fotografisch und mit Interviews erforschen, was Heimat heute für die Überlebenden bedeutet. Welchen Stellenwert hat das Judentum? Wo fühlt man sich zuhause? Was bedeuten Erinnerungsstücke, und welche Erinnerungen behält man lieber im Verborgenen?

Im Bezirksmuseum Neubau präsentieren wir Fotos der Stammtisch Gäste und ihre Geschichte, die bei einigen in Neubau begonnen hat.

Ceija Sojka "ich habe dir 1000 Bilder gemalt..."

Ceija Stojka lebte seit den 1980er Jahren in Wien Neubau.

Hier engagierte sie sich gegen das Vergessen der Verfolgung der Roma und Sinti im Nationalsozialismus und davor.

Hier im Amerlinhaus hielt sie reglmäßig künstlerische Workshops ab, die für die Geschichte senisibilisierten und einen persönlichen Zugang zu dem Thema schafften. Vor allem die Arbeit mit den Jungen -  Kindern und Jugendlichen - war ihr ein Anliegen, als bewußte Friedensarbeit für die Zukunft.

Plakat zur Austellung Ceija Stojka

Werkstattführung bei MMaurer, dem letzten Prosamentier von Wien

In der Kandlgasse finden wir im Hinterhaus Herrn Maurer. Über 3 Geschoße und einen Kellerraum erstreckt sich seine Produktionstätte: Stickerrei, Spinnerei, Webererei und Verkauf.

Hier sehen wir eine Goldwage und erfahren warum die Bouillon nicht unbedingt essbar ist. Nur SpezialistInnen können Webstühle und Stickmaschinene so programmieren und einstellen, dass am Schluss diese wunderbaren Borten, Quasten und Stickereien entstehen.



Bilder aus dem Bezirk

 

Zu folgenden Inhalten finden Sie Abbildungen unter dieser Kategorie

 

(1) Wohnen am Spittelberg: Der Spittelberg ist eine Vorstadtgegend, die von Museumstraße, Messeplatz, Siebenstern-, Stift-, Burg,- Faßzieher- und Neustiftgasse begrenzt wird. 1525 besaß das Bürgerspital Äcker und Weingärten bei St. Ulrich. 1675 hatte Christoph Sigmund Kirchberger Gründe am Spittelberg parzelliert und verkauft. In dem so genannten Krowotendörfel siedelten mehrheitlich Kroaten und Ungarn. Nachdem das Wiener Bürgerspital die Grundherrschaft über das Krowotendörfel übernommen hatte, kam der Name Spitalberg auf. Seit etwa 1800 ist die Gegend unter dem modernen Namen bekannt. 1795 ging der Spittelberg in das Eigentum der Gemeinde Wien über. Die Höhenlage des Spittelberges war stets strategisch relevant, weshalb die osmanischen Belagerer den Höhenzug für ihre Angriffe nützten. 1683 hatte der Großwesir Kara Mustapha mit 24 Geschützen den Beschuss der Innenstadt vom Spittelberg her geführt. 1809 feuerten die Franzosen unter General Bertrand ihre Haubitzen auf die Stadt ab. 1848 wiederum brachten die gegenrevolutionären Kräfte unter Fürst Alfred Fürst zu Windisch – Grätz ihre Kanonen auf dem Spittelberg in Stellung. Bis 1850 war der Spittelberg eine selbständige Vorstadtgemeinde, seither ist er Teil des Bezirkes Neubau. 1975 wurde der Spittelberg im Sinne einer schutzwürdigen Revitalisierungszone planmäßig saniert und konnte trotz zahlreicher gründerzeitlicher Bauten sein barockes Gepräge bewahren.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 270.)

 

(2) Die Stiftskirche: Das Gebäude befindet auf der Mariahilfer Straße 24, Stiftgasse 2 und wurde unter dem Patrozinium „Zum Heiligen Kreuz“ geweiht. 1739 wurde die Kirche  vermutlich nach einem Entwurf von Joseph Emmanuel Fischer von Erlach für das Stiftungshaus des k.k. Hofkammerrates Johann Konrad Richthausen Freiherr von Chaos errichtet. Erzherzogin Maria Theresia ließ die Kirche erweitern, 1772 hatte Johann Heinrici den äußerst kunstvollen Turm erbaut. 1785 und 1799 war die Kirche ein Militärdepot, 1796 diente sie der Ingenieurakademie. 1799 wurde sie neu geweiht. Zwischen 1921 und 1938 war sie als Garnisonskirche in Verwendung. Das Hochaltarblatt von Michael Heß aus dem Jahre 1799 zeigt den gekreuzigten Heiland, welches thematisch mit der Kirchweihe korrespondiert.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 349.)

 

(3) Plan zu den Vorstädten

 

(4) Gutenberggasse gegenwärtig: Die Gasse auf dem Spittelberg wurde 1862 nach Johannes Gutenberg benannt und hatte zuvor Johannesgasse geheißen. Dieser Straßenzug beherbergte eine Anzahl an berühmt berüchtigten Vergnügungsetablissements und war die Heimat vieler leichter Mädchen und schwerer Jungs.  So war es das Gebäude auf Nummero 13. „Zum weißen Löwen“,  in dem der römisch – deutsche Kaiser Josef II. inkognito das anrüchige Lokal der Sonnenfels-Waberl besuchte und – wie eine Inschrift im Flurgewölbe berichtet- auf recht unsanfte Art und Weise wieder hinausbefördert worden sein soll. Die Gutenberggasse ist jedoch auch ein kunsthistorisches Juwel. Das Gebäude auf Nummero 17, „Zum schwarzen Elefanten“ trägt eine der schönsten Fassaden des gesamten Spittelberges.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1993) Bd. 2, 645.)

 

(5) Stiftkaserne mit Flakturm: Der historisch in mehreren Bauphasen gewachsene Komplex erstreckt sich von Mariahilferstraße 22-24 bis zur Stiftgasse 2-2A. Der k.k. Hofkammerrat Johann Konrad Richthausen Freiherr von Chaos hatte 1663 sein bedeutendes Vermögen einer wohltätigen Stiftung einverleibt. An der Mariahilferstraße besaß er Äcker, die in die Stiftungsmasse einflossen. 1679 hatte Grundemann den so genannten Mosertrakt (Johann von Moser war der Stiftungsverweser) entlang der Mariahilferstraße erbaut, der im 18. Jahrhundert im strenghistoristischen Stil aufgestockt wurde. Es war nunmehr Raum für 150 Zöglinge vorhanden. Zwischen 1993 und 1696 wurde die Anlage erweitert, nach dem die fürsorgebedürftigen Zöglinge nun permanent auf der so genannten Laimgrube leben sollten. Nachdem  nun auch ein Spitaltrakt errichtet worden war, erstreckte sich die Anlage schon Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Spittelberg. Durch die Griener’sche Stiftung, welche an den Zweck der Ausbildung von jungen Männern in Kriegs- und Ingenieurswissenschaften gebunden war, wurde aus der Chaos’schen Stiftung eine Ingenieurakademie. 1739 wurde der Grundstein zur Stiftskirche gelegt. Die Stiftung der Herzogin von Savoyen-Carignan machte die Errichtung eines eigenen dreigeschossigen Akademietraktes möglich, welcher unter Kaiser Franz Josef noch einmal aufgestockt worden war. Nachdem 1851 die Ingenieursakademie der Chaos – Griener’schen Stiftung nach Klosterbruck bei Znaim abgesiedelt worden war, wurde der Gebäudekomplex zur eigentlichen Stiftkaserne, die noch weitere Aus- und Umgestaltungen erfahren hatte. Im Ersten Weltkrieg wurde die Kaserne als Lazarett genutzt. Nach dem Untergang der österreichisch – ungarischen Monarchie wurden die Gebäude vom österreichischen Bundesheer übernommen. Nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland war die Kaserne von der Deutschen Wehrmacht besetzt, 1943/44 wurde der Flakturm als Pendent zum Turm im Esterhazypark erbaut. Nach 1955 bezogen Einheiten des österreichischen Bundesheeres sowie Sektionen des Verteidigungsministeriums die Gebäude. Seit 1967 befindet sich dort die Landesverteidigungsakademie. Die offizielle Bezeichnung lautet seit 1991 „Amtsgebäude Stiftskaserne“

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 348.)

 

(6) Städtische Zentralbücherei am Urban Loritz-Platz: Nachdem die alte städtische Hauptbücherei bereits in den 1980er Jahren an ihre räumlichen Grenzen gestoßen war, hatte ein Neubau ins Auge gefasst werden müssen. Dieser ist am Beginn des neuen Jahrtausends als richtungsweisendes, den zeitgenössischen Bedürfnissen entsprechendes Bauwerk 2003 am Gürtel eröffnet worden.

(vgl. www.büchereien.wien.at)

 

(7) Geburtshaus Josef Lanners in der Mechitaristengasse: 1788 wurde ein Teil eines Gartengrundstückes aus dem aufgelassenen Mechitaristenkloster an das Ehepaar Oescher verkauft, die auf der Parzelle ein Wohnhaus (Nr. 5) erbauten) Darin wurde am 12. 4. 1801 Josef Lanner als Sohn eines Handschuhmachergesellen geboren. Durch die Popularität des späteren Walzerkomponisten wurde das Gebäude stets als Lannerhaus bezeichnet. 1879 wurde am Gebäude eine Gedenktafel enthüllt und 1904 in der Lanner-Wohnung eine kleine Gedenkstätte eingerichtet.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 3, 685.)

 

(8) Innenhof Stiftgasse 10

 

 

(9) Ulrichsplatz mit Kirche St. Ulrich um 1890: Die heutige Barockkirche weist eine überaus wechselvolle Baugeschichte auf. Anfang des 13. Jahrhunderts hatte ein Wiener Bürger Namens Dietrich im Dorf Zeismannsbrunn eine kleine Kirche zu Ehren des heiligen Ulrich erbauen lassen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatten die Schotten ein neues und größeres Gotteshaus errichtet, das jedoch wenige Jahrzehnte später durch einen Sturm so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, sodass es wieder abgebrochen werden musste. Das Gebäude wurde Ende des 16. Jahrhunderts aber erneut aufgebaut. Es diente 1683 dem osmanischen Großwesir Kara Mustapha als Pulvermagazin, der Glockenturm wurde als Beobachtungsposten gebraucht. Im Zuge der Belagerung hatte die Kirche schweren Schaden genommen, wurde in Folge von der frommen Bruderschaft „Zu Maria Trost“ jedoch generalsaniert. Daher trägt die Kirche neben dem eigentlichen Patrozinium auch noch die eher volkstümliche Bezeichnung „Maria Trost“ Ein entsprechendes Gnadenbild befindet sich über dem Tabernakel. 1721 hatte der Schottenabt Karl Fetzer den Grundstein zum gegenwärtigen zweitürmigen Bau legen lassen.

(vgl.  Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 501).

 

(10) Burggasse um 1880: Die gegenwärtige Bezeichnung stammt aus dem Jahr 1862 und wurde in Folge deren Ausrichtung auf die Hofburg gewählt. Zuvor orientierte sich der untere Teil der Burggasse eher an St. Ulrich, weshalb er schon vor 1683 als „Steig nach St. Ulrich" bekannt war. Seit 1881 ist die Burggasse an das Tramwaynetz angeschlossen.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1992) Bd. 1, 518).

 

(11) Der Apollo-Tanzsaal um 1830: Es war dies  ein beliebtes Vergnügungsetablissement am Schottenfeld (Zieglergasse 15), welches 1807 vom Fabrikanten Sigmund Wolffsohn in ein bestehendes Gebäude eingerichtet wurde. Im eigentlichen Sinne handelte es sich um eine Reihe von thematisch unterschiedlichen jedoch höchst luxuriös ausgestatteten Räumlichkeiten für Musik- und Tanzunterhaltungen. Auch ein Speisesaal war vorhanden. Als erster Dirigent des Tanzorchesters fungierte Johann Nepomuk Hummel. Durch die Finanzkrise im Jahre 1811 musste der Betreiber den Konkurs anmelden und das Etablissement verkaufen. Unter wechselnden Eigentümern wird das Lokal nach einer Verkleinerung weitergeführt, kann aber nicht mehr die früheren Erfolge erreichen. 1839 wurde es endgültig geschlossen und die Räume einer Seifensiedergesellschaft verkauft, welche dort die Apollo-Kerzenfabrik eröffnete. Nach einem Brand im Jahre 1876 wurde das Gebäude abgetragen, der Platz durch gründerzeitliche Mietshäuser verbaut.

(Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1992) Bd. 1, 132).

 

(12) Das Faßzieherhaus: Vor seiner Demolierung um 1900 in der Faßziehergasse 2 gelegen, galt es als das älteste Bürgerhaus am Spittelberg und war vermutlich ein Edelsitz. Kennzeichnend für den Bau waren dessen hohes Krüppelwalmdach und ein Runderker mit Zwiebelaufsatz. Gebäude und Straße sind nach den Faßziehern benannt, die in der Umgebung ihre Wohnstätten hatten.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1993) Bd. 2, 260).

 

(13 - 14) Das Amerlinghaus: Das Gebäude, in dem sich gegenwärtig das Bezirksmuseum Neubau befindet, rührt vermutlich noch aus der ersten Bauphase der Spittelbergerschließung. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Eckhaus mit schönem Innenhof, typischen Pawlatschen und offenen Stiegen. Am 14. April des Jahres 1803 erblickte der Maler Friedrich Amerling in dem Haus (vormals Pelikangasse 101) das Licht der Welt. In den 1970er Jahren wurde das Bauwerk mit der Unterstützung des Altstadterhaltungsfonds vom Verein „Kulturzentrum Spittelberg“ renoviert.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1992) Bd. 1, 84).

 

(16) Hieronymus Löschenkohl: So lebt man am Spittelberge im extra Zimmer“ Der Stich aus dem Jahre 1783 bezieht sich auf das berüchtigte Vergnügungsviertel am Spittelberg. (Siehe auch die Bemerkungen zu Abb. 4 in dieser Sammlung).

[Mag.Gerhard Murauer]

 

 

 

 

 

 

 

 

Dichter, Musiker, Maler und Schauspieler mit Bezug zum Bezirk Neubau

(1-3) Josef Lanner (1801-1843), eignete sich ohne systematischen Unterricht autodidaktisch das Spiel auf Violine und Bass sowie Grundkenntnisse über Instrumentation an. Ab 1813 trat er regelmäßig öffentlich auf, wie etwa in der Kapelle des Michael Pamer. Gemeinsam mit den Brüdern Drahanek wurde ein überaus erfolgreiches Trio begründet, das sich bald erweiterte. Johann Strauß Vater spielte bei Lanner längere Zeit die Viola. Mit vermehrten Auftritten an gehobeneren Spielstätten erweiterte sich das Liebhaberquartett nach und nach zu einem vollständigen Orchester, das auch Tanzmusik und Opernpotpourris nach Kompositionen und Arrangements von Lanner spielte. Die Größe des Orchesters erlaubte eine Teilung, wobei Johann Strauß Vater die zweite Hälfte übernahm, nach einem Streit mit Lanner jedoch seiner eigenen Wege ging. Lanners Ländler und Walzer erfreuten sich sehr rasch der allgemeinen Beliebtheit. Nach Lanners musikalischem Durchbruch als Dirigent des Ballorchesters beim „Bock“ auf der Wieden begann er eine Reihe von Tourneen. 1829 erhielt Josef Lanner den Titel eines Musikdirektors der Redoutensäle verliehen und leitete das Zweite Bürgerregiment als Kapellmeister.

Hatten die Walzer aus der Zeit vor Lanner noch aus einzelnen Tanzstücken mit Reprisen und Trio bestanden, so schuf Lanner etwas völlig Neues: Der Walzer bekommt seinen typischen Dreivierteltakt, in einer zyklischen Form folgt auf eine Einleitung eine fünfgliedrige Kette von Walzern mit Finale. Der Walzer nach Josef Lanner wurde zur wichtigsten Form des Gesellschaftstanzes.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1994) Bd. 3, 684-685.)

 

(4) Philipp Fahrbach der Ältere (1815-1885) Der Lannerschüler Fahrbach hatte zu Beginn seiner Laufbahn in einer Wirtshauskapelle gespielt, wurde 1825 jedoch von Johann Strauß Vater als Flötist engagiert. Zehn Jahre später gründete er seine eigene Kapelle, mit welcher er häufig bei den Hofbällen aufgetreten war. 1841 wurde er bereits zum Hofballmusikdirektor ernannt. Im selben Jahr noch trat Fahrbach seine Stelle als Militärkapellmeister bei den Hoch- und Deutschmeistern an, wechselte dann zum Infanterieregiment 14, wo er bis 1865 blieb. Gemeinsam mit Johann Strauß Vater trat Fahrbach lange Zeit im Volksgarten auf und leitete abwechselnd mit ihm die Tanzmusiken bei Hof.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1993) Bd. 2, 247.)

 

(5) Karoline Pichler (1769-1843) Das Elternhaus der Karoline Pichler war in der Zeit des Josephinums ein Mittelpunkt des geistigen Lebens der Stadt. Bereits als sehr junges Mädchen verfasste Karoline Pichler Gedichte, die publiziert wurden. Ab 1820 widmete sie sich ausschließlich dem literarischen Schaffen. Ihr gesamtes Œvre wurde noch zu ihren Lebzeiten veröffentlicht: Die Briefe, historische Romane und Gelegenheitsschriften füllen stattliche 60 Bände.

Ihr Haus in der Alservorstadt wurde zum Treffpunkt für Gleichgesinnte: Grillparzer, Lenau und Schlegel schätzten Karoline Pichler als eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit. Ihr berühmter Salon erreichte bis weit über die Landesgrenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Einen Teil ihres Lebens verbrachte die Intellektuelle im Haus Burggasse 27. in Neubau.

(Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1995) Bd. 4, 549-550.)

 

(6) Emil Ertl (1860-1935) Der Sohn einer Seidenweberfamilie gilt als Schriftsteller des bodenständigen Wiener Handwerks. Seine Texte behandeln in sozialkritischer Absicht die Lebensgeschichten von Arbeitern. Mustergültig ist die Familiengeschichte einer Schottenfelder Seidenweberfamilie, deren Entwicklung zur Industriellendynastie von den Franzosenkriegen bis zur Gegenwart nachgezeichnet wird. Emil Ertl war zeitweise wohnhaft im Haus Seidengasse 14. Sein Nachlass befindet sich im Depot des Bezirksmuseums Neubau.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1993) Bd. 2, 209.)

 

 

(7) Fritz Hochwälder (1911-1986), als Sohn eines Tapezierermeisters in der Westbahnstraße 3 geboren, übte er selbst nach seiner Meisterprüfung diesen Beruf aus, besuchte nebenher jedoch die Volkshochschule und nahm nach 1930 seine Tätigkeit als Dramatiker auf. 1938 musste Hochwälder in die Schweiz emigrieren und ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Zürich nieder, wo seine Meisterdramen entstanden. Der Nachlass des Dramatikers befindet sich in der Wienbibliothek im Rathaus.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1994) Bd. 4, 214.)

 

 

(8) Johann Strauß Sohn (1825-1899) Während der Vater für seinen Sohn die Beamtenlaufbahn auserkoren hatte, ermöglichte ihm die Mutter zunächst heimlich das Musikstudium. Nach einem Zerwürfnis mit seinen Eltern begann er mit seiner Konzerttätigkeit im Hietzinger Casino Dommayer, welche seinen großen Erfolg grundlegte. Nach dem Tod des Vaters leitete er dessen Orchester . 1863 wurde Johann Strauß Sohn zum k.k. Hofball – Musikdirektor ernannt und leitete bis 1870 alle Hofbälle. Johann Strauß Sohn ist der Komponist von 145 Walzern und 18 Operetten, von denen eine Vielzahl Weltruhm erlangte. Das Geburtshaus des Komponisten befindet sich in der Lerchenfelderstraße 15.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 372-373.)

 

(9) Gustav Klimt (1862-1918) Der Sohn eines in Böhmen gebürtigen Goldgraveurs besuchte 1876-1883 die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Zunächst arbeitete er mit seinem Bruder Ernst und mit Franz Matsch in einer Ateliergemeinschaft zusammen. Nach der Auflösung der Gemeinschaft übernahm Klimt zahlreiche Aufträge zu monumentalen Gemälden in der Ringstraßenzone (Fresken im Bugtheater sowie im kunst- und naturhistorischen Museum, Fakultätsbilder in der Hauptuniversität) Im Anschluss begründete er seinen Ruhm als eigenständiger Jugendstil-Gemäldekünstler.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1994) Bd. 3, 534.)

 

(10) Friedrich Amerling (1803-1887) Der Maler wurde als Sohn eines Gold- und Silberdrahtziehers in der Vorstadt Spittelberg geboren. An der Wiener Akademie der bildenden Künste erwarb er seine grundlegenden Kenntnisse, begab sich anschließend nach Prag, London und Paris, ehe er sich wiederum in Wien niederließ.  Hier entwickelte sich Amerling zu einem der führenden Portraitmaler des Hochadels und des biedermeierlichen Großbürgertums. Sein gesamtes Schaffen umfasst insgesamt rund 1000 heute bekannte Werke. Sein Geburtshaus befindet sich in der Stiftgasse 8 und beherbergt heute unter anderem die Räumlichkeiten des Bezirksmuseums Neubau.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1992) Bd. 1, 83.)

 

(11) Rudolf Jeremias Kreutz (Pseudonym für Rudolf Krisch, 1876-1949) verarbeitete in seinen gesellschaftskritischen Texten vor allem die Erfahrungen, die er während des Ersten Weltkrieges und in der darauffolgenden Gefangenschaft gemacht hatte. Kreutz ist vor allem getrieben von einem zutiefst pazifistischen Grundgedanken, dem er in Romanen und Novellen breiten Raum gibt. Zwischen 1919 und 1949 wohnte Rudolf Jeremias Kreutz in der Neubaugasse 71.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1994) Bd. 3, 610.)

 

(12) Karl Farkas (1893-1971) Eigentlich für den Kaufmannsberuf bestimmt, nahm der schauspielerisch talentierte Karl Farkas nach der Realschule verschiedene kleinere Engagements in der Provinz an,. Ehe er 1920 nach Wien zurückkehrte, wo er als Schauspieler und Regisseur an der Neuen Wiener Bühne arbeitete. Sein künstlerischer Ruhm wurde jedoch am Kabarett Simpl begründet, für das in Egon Dorn gewinnen konnte. Rasch gewann Farkas als Dichter von Stücken sowie auch als  Darsteller Bekanntheit. Legendär wurden die Doppelconférencen mit Fritz Grünbaum. 1927 übernahm Farkas die künstlerische Leitung im Simpl, Zudem bescherte er als Direktor dem Wiener Stadttheater große Erfolge mit seinen Revuen. 1938 bedeutete zunächst das Ende für seine Wiener Laufbahn und Farkas emigrierte über Paris in die USA. Bereits 1946 arbeitete er jedoch wieder in Wien, wobei er beim Rundfunk wiederum mit Unterhaltungsprogrammen tätig wurde. 1950 übernahm er das Kabarett Simpl, baute den Betrieb völlig um, betätigte sich erneut selbst als Bühnenautor und Darsteller. Gemeinsam mit dem ORF entstehen neue Produktionen im Ronacher, welches für Rundfunkproduktionen angemietet wurde. Die Glanzpunkte dieser Zeit bildeten die Doppelconférencen mit Fritz Muliar, Heinz Conrads und Maxi Böhm als Partner.

Karl Farkas lebte bis zu seinem Tod im Haus Neustiftgasse 67-69.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1993) Bd. 2, 255-256).

 

(13) Helene (Petermann) Odilon (1865-1939) Die gebürtige Dresdnerin begann ihre Laufbahn an mehreren deutschen Häusern (Chemnitz, Gera, Lübeck und Berlin), ehe sie 1891 an das Volkstheater nach Wien kam, wo sie rasch zu einem avancierte.

Ein Schlaganfall zwang sie 1904, ihre Bühnenlaufbahn völlig zu beenden. Sie starb gänzlich mittellos in einem ihr von der Stadt Wien finanzierten Pflegeheim in Baden. Zwischen 1899 und 1905 hatte sie in der Neustiftgasse 11 gelebt.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1995) Bd. 4, 441.)

 

(14) Michael Pamer (1782-1827) Der Kapellmeister und Komponist Pamer spielte mit seiner Kapelle in Lokalen und bei Tanzvergnügungen. Er war der Entdecker Josef Lanners, der als 13 jähriger bei ihm auftrat. Auch Johann Strauß hatte vor seiner eigenen Karriere in seinem Ensemble gespielt. Gemeinsam mit Josef Lanner war Michael Pamer einer der Wegbereiter des Wiener Walzers. Der Musiker hatte in der Neustiftgasse 5 seinen Wohnsitz.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1994) Bd. 5, 484.)

 

(15) Carl Michael Ziehrer (1843-1922) Der Sohn eines Hutmachers erlernte zunächst auch selbst dieses Handwerk. Nach seiner Gesellenprüfung wurde aber das musische Talent des jungen Mannes vom Verleger Tobias Haslinger entdeckt. Bei Simon Sechter lernte er darauf Harmonielehre und Komposition. Sein erfolgreiches Debut als Kapellmeister und Komponist durfte Ziehrer im Dianabadsaal am 21. 11. 1863 feiern.

Zwischen 1874 und 1876 widmete sich Ziehrer der Herausgabe der Deutschen Kunst- und Musik-Zeitung. Darauf wurde er Militärkapellmeister mehrerer Regimenter und trat in österreichischer Militäruniform auch auf der Weltausstellung 1893 in Chicago auf. Mit seinem eigenem Orchester unternahm er zahlreiche Konzertreisen, ehe er zum letzten Hofballmusikdirektor in der Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie ernannt wurde. Von ihm stammen insgesamt 19 Operetten sowie rund 600 Märsche, Walzer und andere Tänze. Sein Geburtshaus befindet sich in der Westbahnstraße 4.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5, 704-705.)

 

(16) Das Volkstheater: Das  Bauwerk wurde in den Jahren 1887-1889 vom Architektenduo Ferdinand Fellner und Herman Helmer im Stil der Neorenaissance errichtet. Das Gebäude befindet sich auf einem Grundstück, welches der hiefür eigens gegründete Verein des Deutschen Volkstheaters zu günstigen Konditionen aus dem Stadterweiterungsfonds erworben hatte. Die Bauweise steht in direktem Zusammenhang zum Stadttheater, welches durch eine Brandkatastrophe eingeäschert worden war: Da ein Wiederaufbau der zerstörten Bühne nach den neuen Brandschutzgesetzen, wonach die Bühnenhäuser nach allen Seiten freistehen mussten, unmöglich war, wurde der völlige Neubau in Gestalt des Volkstheaters beschlossen. Fellner und Helmer hatten dabei einen in der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie Beispiel gebenden Typus geschaffen, der Vielfach Nachahmung gefunden hatte. An der künstlerischen Ausgestaltung arbeiteten die Bildhauer Franz Vogl und  Theodor Friedl sowie der Maler Eduard Veith. Kurz nach der Jahrhundertwende erfuhr das Gebäude eine Erweiterung, 1939 wurde die Fassade „bereinigt“. Während der Bombardements auf Wien wurde die Kuppel über dem Mittelfoyer zerstört. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde diese rekonstruiert und im Zuge einer Generalsanierung auch die Inneneinrichtung wieder in den Originalzustand versetzt.

(vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien (Wien 1997) Bd. 5.)

[Mag. Gerhard Murauer]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7, Neubau


Stiftgasse 8

Telefon 0664/8317446


Museumsleiterin: Maga Ursula Berner MA

Bibliothek: Maga Elfriede Haunold

Bildarchiv: Annemarie Skraban

Ausstellungsdesign: Monika Grußmann

Weitere MitarbeiterInnen: Heinrich Bauer, Edith Fridrich, Brigitte Ruprecht

 

 

Email: bm1070(a)bezirksmuseum.at

https://www.facebook.com/bezirksmuseum.neubau

Öffnungszeiten:
Donnerstag 16 bis 18 Uhr,
Samstag 15 bis 17 Uhr;
geschlossen: während der Ferien und an Feiertagen

Führungen: nach Vereinbarung per mail oder Telefon

Eintritt: frei

Erreichbarkeit: U3, Straßenbahn 49 bis Stiftgasse