Loading
  • Wiener Bezirksmuseen
  • Sondermuseen
  • Veranstaltungskalender
  • ARGE

Beschreibung des Museums und seiner Bestände

Die Gesamtgröße des Museums beträgt rund 250 m². Davon entfallen 200 m² auf einen Grund- und einen Sonderausstellungsraum, 20 m² auf ein Büro sowie die Sanitäranlagen und 30 m² auf einen Keller, der ebenfalls als Grundausstellungsraum für die Schau „Alte Öfen und Kaminaufsätze“ adaptiert wurde. Der Dachboden des Hauses darf als Lager benützt werden.

Das Museum verfügt über 450 Exponate, von denen rund 70 ausgestellt sind. Dazu kommen noch weitere rund 50 Leihgaben von der Pfarre St. Florian.
Das Museum befindet sich im zweiten Stock und bereits vor der Eingangstüre steht eine Vitrine, die neben dem Geschäftsschild des Rauchfangkehrermeisters Peter Piffero und zwei Reklametafeln, auf denen schwarze Rauchfangkehrer für ebenso schwarze Schuhpasten Werbung machen, auch einige persönliche Erinnerungsstücke an die Rauchfangkehrermeister Ferdinand und Franz Suchanek sowie Pan Wenzel enthalten. Darunter ein Entlassungszeugnis von 1893, ein Silvetsterglückwunschkalenderblatt von 1862, ein Lehrbrief vom 6. Mai 1897 sowie zwei Personalausweise aus den zwanziger und vierziger Jahren. Ein kleines Rauchfangkehrerkontrollbuch stammt aus einem Wohnhaus im 20. Wiener Gemeindebezirk. Auch heute noch befinden sich diese Büchlein, in welche die Rauchfangkehrer die Daten der Kaminkontrollen eintragen, in jedem Haus in einem Kästchen im Erdgeschoss. In der Mitte der Vitrine steht ein irdener Bierkrug, der folgenden Spruch trägt: „Staub, Ruß und Mehl machen trocken die Kehl!“


Nun betritt der Besucher den Grundausstellungsraum, über dessen Türe ein Geschäftszeichen eines Rauchfangkehrerbetriebes hängt. Es stellt den „schwarzen Mann“ mit seinen signifikanten Utensilien, dem Kehrbesen und der Leiter dar. Im vorderen Teil des Raumes begegnen wir dem sogenannten „lebendigen“ Museum in Form einer Rauchfangkehrerwerkstätte, wie sie bis 1950 in Wien noch gegeben hat. Eine Schaufensterpuppe in der schweren, ledernen Orginalmontur der Rauchfangkehrer empfängt den Eintretenden. Daneben eine altertümliche Schreibmaschine mit einigen Stempel und der schwarzen Schiefertafel, die früher vor jedem Kehrbetrieb hing und auf die die Kundschaft mit Kreide ihre Aufträge schreiben konnte. Zwei Geschäftstafeln erinnern an die Rauchfangkehrermeister Dominik Melzer und Alexander Cecola, eine davon ist eine sehr kostbare Malereiarbeit aus Glas


Auf einem Regal liegen die Statuten des Rauchfangkehrer – Unterstützungsfonds und ein Luftschutzmerkblatt.


In einem geöffneten Kleiderschrank hängen verschiedene Arbeitsgewänder der Rauchfangkehrer. Auf dem Schrank steht eine hölzerne Statue des heiligen Florian, ihres Schutzpatrones. Auch das wichtigste Handwerkzeug die Leiter, die Bürste und der Rutenbesen fehlen nicht. Während bei breiteren Rauchfängen die Rundbürste hinunter gelassen wird – die größere hat einen Durchmesser von 80 cm – dient die Stoßbürste zum Kehren von schmalen Schornsteinen, die von unten gereinigt werden müssen. Für besteigbare Rauchfänge wie Fabriksschlote oder jene im Biedermeier üblichen schliefbaren, die durch eine große Kamintüre zugängig waren, wurde meistens der Rutenbesen verwendet. Allerdings gibt es hier nicht nur eine einzige Bürste, sondern eine beachtliche Sammlung verschiedenster Variationen von Rundbürsten mit Eisenkugeln, die unterschiedlich auf die Rauchfangdurchmesser abgestimmte Größen haben. Sie werden von oben in die Öffnung hineingelassen und durch das Gewicht der Kugel hinuntergezogen. Interessant ist auch der Unterschied von früheren und jetzigen Kehrgeräten. Einerseits die noch im vorigen Jahrhundert verwendete Strohrundbürste mit Eisenkugel, Hanfseil und hölzernem Globenrad, das das Reißen des Seiles an der Schornsteinkante verhinderte und andererseits die heutige Kupferdrahtrundbürste mit Gummikugel, Nylonseil und einem Kunststoffglobenrad. Zu den alten, heute kaum mehr verwendeten Werkzeugen zählen auch noch das Schereisen zum abkratzen von Hartruß oder Pech und die „Kehrkatze“, eine schwere fast kugelige Bürste zur Reinigung von waagrechten Rohrleitungen, wobei sie an einem Seil von zwei Personen im Rohr hin- und hergezogen werden musste. Zu sehen ist weiters ein Gerät zum Ausbrennen der Rauchfänge, das mit Petroleum betrieben und manchmal auch heute noch verwendet wird. Ebenso sind hier die Vorläufer der heutigen Digitalmessgeräte für Rauchgaswerte, sogenannte Rußpumpen. Der Sicherheit der Hausbewohner diente auch ein Feuerlöscheimer, der früher auf jedem Dachboden vorhanden sein musste. Da sich die Rauchfangkehrer vor dem Nachhausegehen immer waschen müssen, steht hier auch noch ein Badeofen mit Brause um 1900. Tatsächlich war dieser Ofen mit seinem kupfernen Warmwasseraufbereitungskessel ein Luxusgegenstand, der in den einfacheren Betrieben kaum zu finden war. Die Rauchfangkehrer mussten schon mit dem damals üblichen Wasserschaffel vorliebnehmen


Aber schon an der Wende zur Neuzeit gab es Rauchfangkehrer. Das Feuer war das wichtigste Element eines Hausstandes. Wegen seiner Nützlichkeit, aber auch der damit verbundenen Gefahr wurde es sorgsam gehütet. Der ständig geschürte offene Herd diente der Speisezubereitung und gab zur Behaglichkeit der Familie Wärme ab. Mit zunehmender Ausdehnung der Städte seit dem Mittelalter stiegen Zahl und Verantwortung der Schornsteinfeger. Auf einer kleinen Wandtafel erfährt der Besucher, daß bereits am 19. Oktober 1512 Kaiser Maximilian I. Hans von Mailanth mit Patent als ersten Rauchfangkehrer für Wien bestellte. Im Jahre 1654 waren bereits sieben Meister urkundlich durch Steuerlisten erwähnt. Auch sie stammten aus Norditalien. Bis 1750 kamen daraufhin über 300 Lehrlinge aus Italien. So entstand im Laufe der Zeit ein Gewerbe, dessen Mitglieder angesehene Bürger waren.


Auf vier Schautafeln befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Neujahrsglückwunsch= karten aus den Jahren 1880 bis 1918. Auf jeder einzelnen ist entweder ein Rauchfangkehrer als Glücksbringer gezeichnet oder wird bereits als Foto von einem Kind dargestellt. Dieser Aberglaube stammt noch aus dem Mittelalter. Schwarz gekleidete Gesellen stellten Holzkohle her, lieferten an und reinigten die Schornsteine. Rauchfangbrände, die Häuser, Dörfer und ganze Stadtteile vernichteten, zeigten die Wichtigkeit einer sorgfältigen Schornsteinreinigung auf. Der Rauchfangkehrer bannte durch seine Arbeit diese Gefahr und galt daher als Glücksbringer.




Aus dem Jahre 1850 stammt eine eiserne Wetterfahne, die nicht wie üblich einen Hahn, sondern einen Rauchfangkehrer darstellt.
Eine der vielen Florianifiguren im Museum ist eine Jugendstilkeramikanfertigung von der Wienerberger um 1900, die einst an der Fassade des Hauses Dietrichsteingasse 4 im neunten Wiener Gemeindebezirk befestigt war. Von diesem Hause ist hier auch die alte Konskriptionsnummerntafel zu sehen.
Ausgestellt sind hier auch einige Neujahrsglückwunschkalenderblätter, welche die Rauchfangkehrer auch heute noch an ihre Kundschaft verteilen. Sie tragen jeweils den Namen des zuständigen Meisters wie z.B. Franz Suchanek, bürgerlicher Rauchfangkehrermeister, Wien II, Taborstraße 63.
Ein besonders wertvolles Stück ist eine Standuhr aus dem Jahre 1780, die mit dem Portrait eines Rauchfangkehrers verziert ist.
Genau in der Mitte der Stirnseite des Raumes hängt die alte Innungsfahne um 1860 mit dem Bildnis des hl. Florian.
Darunter befindet sich eine Rauchfangkehrervorschrift für ordentliches Kehren durch Rauchfangkehrer von Carl Alexander Herzog zu Württemberg aus dem Jahre 1753

Ein Prunkstück des Museums ist die Zunfttruhe aus massiver Eiche, die aus dem Jahre 1784 stammt. Sie ist mit drei schweren Eisenschlüsseln zu öffnen und trägt an der Innenseite des Deckels ein Rauchfangkehrerwappen in Form von zwei gekreuzten Schereisen, das möglicherweise aus der Steiermark kommt, aber nicht genau zugeordnet werden kann. An der Außenwand der Truhe befindet sich das bekannte Wappen mit der früheren ledernen Kopfbedeckung der Rauchfangkehrer, der sogenannten Kapine und den beiden gekreuzten Ruten.
Neben der Truhe steht ein Pult mit dem Ehrenbuch der Wiener Rauchfangkehrermeister von 1928 mit dem Titel: „1512 bis 1928 Zur Jubelfeier der Wiener Rauchfangkehrer – Genossenschaft ihrem verdienstvollen Vorsteherstellvertreter Herrn Franz Suchanek gewidmet von seinen dankbaren Genossenschaftsmitgliedern“.


In dem Buch sind neben den Fotos der Ehrenmitglieder Handelsminister Dr. Hans Schürff, Bürgermeister Karl Seitz und NR Eduard Heindl, auch sämtliche Rauchfangkehrermeister Wiens beziehungsweise ihre Witwen abgebildet.
Von diesem Pult ist ein kleiner Schemel plaziert, der einst beim Stammtisch eines Gasthauses im 9. Wiener Gemeindebezirk stand, in dem viele Rauchfangkehrer nach getaner Arbeit zusammenkamen.

In einer Ecke des Raumes steht eine lebensgroße Florianistatue aus Lindenholz zwischen 1860 und 1880 gefertigt. Ihr Gewicht beträgt rund 80 kg.

In den beiden letzten Schaukästen befinden sich zahlreiche Rauchfangkehrerpuppen, die von 1850 1950 einerseits als Silvesterglücksbringer und andererseits als Auslagendekoration um Neujahr dienten. Unter den hier gezeigten Exemplaren befinden sich Porzellanfiguren von 1900 bis 1930, neuzeitliches Porzellan, Wiener Keramik und Wiener Bronze um 1900, Stoffpuppen mit Bakelit- und Porzellanköpfen sowie als Rauchfangkehrer verkleidete Stoffmeckis. Auffällig ist vor allem, eine rund 40 cm große Keramikfigur der Firma Goldscheider, die sich gerade eine Zigarette anzündet und beleuchtet ist. Sie soll einer Rauchfangkehrerdarstellung des Biedermeiermalers Matthias Johann Ranftl nachempfunden worden sein.

Ein gußeisener  Stubenofen, der um 1970 von der Firma Meller nach dem Orginal aus dem vorigen Jahrhundert gebaut worden ist, steht beim Eingang zum nächsten Raum. Die oberen beiden Fächer dienten zum Kochen mit niederer und höherer Temperatur, ein seitliches ist zum Teller wärmen , das mittlere zum Warmstellen von Speisen und die beiden unteren zum Heizen mit Kohle vorgesehen

Im zweiten Raum des Museums ist die jeweilige Sonderausstellung zu sehen. Darüber hinaus gibt es aber auch hier einige Exponate, die zur ständigen Ausstellung gehören. Es handelt sich dabei um die große Fahnenvitrine. Sie ist u. a. Aufbewahrunsgsort für die alte Innungsfahne – zur Zeit in Raum I zu sehen -, die ungefähr aus dem Jahre 1880 stammt und eine Größe von 180 x 140 cm hat. Daneben auch die dazugehörige Stange der Genossenschaftsfahne mit den Namen sämtlicher Spender aus den Jahre 1928. Prächtigst präsentiert sich daneben die Rauchfangkehrer-Genossenschaftsfahne aus dem Jahre 1931 mit den Maßen 150 x 120 cm. Sie trägt Abbildungen der Staphanskirche, des hl. Florian und einiger österreichischer Wappenschilder. Dieselbe Größe hat die Sängerbundfahne der Rauchfangkehrer aus dem Jahre 1926, die neben einer Rauchfangkehrerdarstellung und einem Notenband folgenden Spruch trägt: “Treu im Lied, frei im Wort sei des Sanges treuer Hort“. Jede Zunft schuf sich ein auf ihre Tätigkeit bezogenes Emblem und zeigte es auf ihrer Zunftfahne. Die Pracht und Bedeutung der Rauchfangkehrerfahne wird in Wien jährlich bei der traditionellen Florianifeier, die dem Schutzpatron dieses Gewerbes gewidmet ist, entfaltet. Wie lebendig das Brauchtum heute noch ist, beweist die neue 1979 geweihte Fahne, die bei allen feierlichen Anlässen mitgeführt wird


Während einer Sonderausstellung wird die Fahnenvitrine, nachdem die Exponate mit einem dunklen Tuch verdeckt werden, ebenfalls als Schaukasten benützt


Ein weiterer Schaukasten enthält Ehrengeschenke, die wertvollsten Rauchfangkehrer darstellungen aus Wiener Bronze, ein Foto vom 1. österreichischen Rauchfangkehrertag 1936 vor dem Wiener Rathaus und verschiedene Dokumente wie z. B. eine Kehrverordnung von Kaiser Joseph I. aus dem Jahre 1705 sowie etliche Gesellen- und Meisterbriefe, die dem Museum meist aus Familienbesitz zur Verfügung gestellt wurden. Sie dokumentieren in eindeutiger Weise das berufliche Traditionsbewustsein der Schornsteinfegerfamilien

Neben der Ausstellung bietet das Museum folgende Hintergrundinformation an: 41 Bücher, 480 Fotos, 4175 Ansichtskarten, 38 Gemälde, Stiche und Drucke, 11 Noten und 7 Videokasetten

Rauchfangkehrermuseum
1040, Klagbaumgasse 4
Museumsleiter
Günter Stern


Tel:     01/734 35 40
Email: rauchfang@bezirksmuseum.at
Erreichbarkeit
Linie 1, Linie 62 - Johann-Strauß-Gasse

WLB (Badner Bahn) - Johann-Strauß-Gasse


Öffnungszeiten
Sonntag 10.00 bis 12.00 Uhr


Geschlossen
Schulferien und Feiertage
Freier Eintritt
Impressum