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Die Geschichte von Margareten

Erstmals wird 1373 ein Gutshof genannt, der – im Gegensatz zu einem „Oberen Hof“ auf der Höhe des Wienerberges als „Niederer Hof“ am (heutigen) Margaretenplatz – bezeichnet wird. 1395 stiftete Rudolf Tirna, ein Besitzer dieser Anlage, gemeinsam mit seiner Gemahlin Anna und seinem Bruder Ludwig eine der heiligen Margareta von Antiochia geweihte Kapelle. Als weitere frühe Nennungen des „Niederen Hofes“ und der Kapelle finden wir 1411 die St. Margaretenkapelln zu Metzleinstorff, 1548 St. Margarethen, 1568 Sandt Margarethen sowie 1594 hoff zu St. MargaretenDer um diesen Margaretner Hof im heutigen Bereich Margaretenplatz – Hofgasse – Schlossgasse entstandene Gutsweiler bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Vorstadt. Der Gutshof, er ist auf dem Rundplan von Niklas Meldemann aus dem Jahre 1530 mit einem mächtigen Turm bewehrt dargestellt, wurde bei der Belagerung 1529 von türkischen Streifscharen in Brand gesteckt – eine Gedenktafel am Haus Margaretenplatz 3 erinnert daran. Der Hof wechselte in der Folge mehrmals den Besitzer, bis ihn Nikolaus Olai, Erzbischof von Gran, 1555 käuflich erwarb. Olai ließ den Hof und die Kapelle teilweise neu erbauen und legte einen großen Schlossgarten an.

Er berief Siedler nach Margareten und gründete südlich seines Hofes Nikolsdorf. In der Mitte des 17. Jahrhunderts, 1647-1667, vollendete schließlich der Gesandte an der Hohen Pforte, Johann Rudolf Schmidt von Schwarzhorn, das Gebäude. In der 1662 erschienenen „Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae“ von Georg Matthäus Vischer ist das nunmehrige Schloss als zweigeschossiger Bau dargestellt, dessen siebenachsiger Wohntrakt im Osten durch einen Eckturm mit loggienartigem Umgang bewehrt ist und gegen Westen von einem zwiebelhelmbekrönten Uhrturm überragt wird. In dieser Abbildung fehlt allerdings das noch heute erhaltene, mit mächtigen Rustikaquadern verkleidete Schlossportal. Nach der Zerstörung im Türkenjahr1683 wurde das Gebäude wieder neu aufgebaut. Bereits um 1725 hatte sich vor dem Schloss, im Verlaufe der heutigen Margaretenstraße, durch Verbauung die planmäßige Rechteckform des heutigen Margaretenplatzes entwickelt.

1727 verkaufte Graf von Sonnau die Grundherrschaft Margareten an die Gemeinde Wien. Zwischen 1749 und 1783 befand sich im verödeten großen Schlossgarten, der zum Teil als Getreidefeld und Viehweide diente, die erste Maulbeerbaumschule Wiens. In den Räumlichkeiten des Schlosses wurde 1751 eine Fabrik leonischer Waren eingerichtet, die jedoch 1768 abbrannte. 1786 verlegte Anton Schwarzleithner die Fabrik nach Mannersdorf. Danach wurde die gesamte Realität vermessen und gelangte zur Versteigerung. Die größte Parzelle, das alte Schloss am Margaretenplatz mit dem angrenzenden Fabrikgebäude in der Schlossgasse 23, erstand der Seidenbandmacher und Richter von Margareten, Franz Praller. Durch eine Tochter Prallers, Elisabeth, verehelichte Pichler, kam der Gebäudekomplex in den Besitz einer Buchdruckerfamilie, die hier bis 1869 einen Druckereibetrieb führte. Das neue Fabrikgebäude in der Schlossgasse 21 wurde von Johann Brauneck ersteigert, der noch im selben Jahr um Aufstockung ansuchte. Auf der benachbarten, westlich an das Schloss anschließenden Parzelle (Margaretenplatz 3) ließ der Seidenzeugmacher Paul Hochholzer 1787 von Baumeister Johann Michael Adelpodinger die bestehenden Baulichkeiten adaptieren; über das Eingangstor wurde die Bauinschrift des alten Schlosses von 1651 eingemauert. Die westlich angrenzende Parzelle mit der 1783 profanierten Margaretenkapelle erwarb der Samtmacher Leopold Urspringer, der die Kapelle abbrechen ließ und den Grund zur Errichtung eines Wohnhauses (Margaretenstraße 77) verwendete. Auch das Areal des kleinen Schlossgartens, das der Wiener Stadtrichter Leopold van Ghelen in Pacht hatte, wurde parzelliert und durch neu angelegte Gassen aufgeschlossen. In der Zeit von 1781 bis 1788 entstanden auf dem Gelände des großen Schlossgartens in dem von der Gartengasse und Schlossgasse einerseits und von der Margaretenstraße und Siebenbrunnengasse andererseits umfassten Gebiet nicht weniger als 41 Parzellen

Der Margaretenplatz als historisches Zentrum von Margareten wird besonders durch den 1835/36 vor dem Haus Margaretenplatz 3 errichteten Brunnen akzentuiert, auf dessen Vierkantsockel sich die von Johann Nepomuk Schaller modellierte Statue der über den Drachen triumphierenden hl. Margareta, der Namensgeberin der Vorstadt, erhebt. Im Zuge der Regulierung des Margaretenplatzes 1886 wurde der Brunnen um 20m nach Südwesten versetzt und erhielt seinen heutigen Standort.

Im Westen wird der Platz von dem anstelle des 1883 demolierten Brauhauses nach Plänen der Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer von Baumeister Joseph Müller für Baronin Amalie Lipthay 1884/85 errichteten Margaretenhof umrahmt. Der schlossartige Komplex nimmt eine außerordentlich wichtige städtebauliche Stellung im Bezirk ein. Historisch gesehen stellt er den symbolhaften Nachfolgebau des alten, heute nur mehr in Bruchstücken existierenden Margaretner Schlosses (Margaretenplatz 2, 3) dar. Die große Wohnanlage mit dem straßenartig gestalteten „Zierhof“ ist ein frühes Beispiel für städtische Siedlungskonzepte, die sich in Wien sonst erst in der Zwischenkriegszeit entfalten konnten.

Im Osten wird der Margaretenplatz von einem nach Plänen von Ferdinand Seif 1898 erbauten monumental-palaisartig gegliederten Mietshaus dominiert, bei dem Formen des venezianischen Stadtpalastes des 16. Jahrhunderts verwendet wurden. Gründerzeitliche Bauten schließen den Margaretenplatz im Norden ab.


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