Loading
  • Wiener Bezirksmuseen
  • Sondermuseen
  • Veranstaltungskalender
  • ARGE

Schule und Bildung

Im letzten Drittel des 18. Jhdts. wurden auf dem Gebiet unseres Bezirkes die beiden ersten Schulen eröffnet. Eine in Reindorf (heutige Kellingg. 8), die andere in Fünfhaus (heute Clementineng. 27)

Für jede Schule wurde in einem Privathaus ein Zimmer gemietet. Es waren die sogen. Trivialschulen, in denen die Kinder vor allem Religionsunterricht erhielten und außerdem notdürftig Lesen und Schreiben, sowie die vier Grundrechnungsarten erlernten. Die Eltern, die ihr Kind in eine solche Schule schickten, mußten wöchentlich ein Schulgeld von einem Kreuzer (= drei Kreuzer Wiener Währung) bezahlen. Das entsprach um 1800 etwa dem Preis für sechs Eier oder zwei Liter Milch, was sich viele Familien nicht leisten konnten. Da von diesem Schulgeld auch das Gehalt des Lehrers bezahlt wurde, waren diese genötigt, die paar Kreuzer notfalls einzutreiben. Das war dem Kontakt zwischen Lehrer und Schule nicht gerade dienlich.

1786 wurde die gesetzliche Schulpflicht eingeführt, aber kaum beachtet. Nach wie vor besuchten nur wenige Kinder die Schule. Dabei spielte nicht nur eine Rolle, daß es vielen Eltern schwerfiel, das wöchentliche Schulgeld aufzubringen. Noch wichtiger war wohl, daß die Kinder als Arbeitskräfte benötigt wurden, entweder in der eigenen Landwirtschaft oder als billige Arbeitskräfte in den Fabriken und Handwerksbetrieben mit einer zehn- oder zwölfstündigen täglichen Arbeitszeit.

Exkurs Kinderarbeit:
Endes des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts ging man aufgrund wirtschaftspolitischer Reformvorschläge (Kameralismus, Merkantilismus) dazu über, fehlende Arbeitskräfte aus dem Reservoir der Bettler, Vagabunden, verwahrloster Jugendlicher, Armen- und Waisenkinder zu rekrutieren. Die Kinder wurden für die Arbeit in den Manufakturen eigens ausgebildet  (1673 wurde in der Leopoldstadt ein solches "Werk- und Zuchthaus" gegründet).

Für die  Manufakturbesitzer war diese Kinderarbeit eine Frage billiger Produktion, für den Staat erschien sie als wünschenswerte Entwicklung zur Isolation und Korrektion (Besserung) gesellschaftlicher Randgruppen, die als Bedrohung empfunden wurden. Im Sinne des sich verstärkenden Absolutismus wurde der Standpunkt vertreten, alle Menschen hätten dem Staat durch Fleiß und Arbeit nützlich zu sein. Ein Dekret von 1724 legte fest, daß InsassInnen von Waisenhäusern den Manufakturen gegen billigen Lohn zur Verfügung gestellt werden sollten.

Die ökonomische Bedeutung der organisierten Waisenarbeit für die frühkapitalistische Entwicklung in Wien ist unbestritten.

Die unter der Regierungszeit von Maria Theresia beginnende "Jugendfürsorge" ist weitgehend mit der Errichtung von Arbeitshäusern gleichzusetzen. Sie betonte stets die Notwendigkeit der frühen Arbeitsgewöhnung der Kinder. Die Manufakturen wurden oft bewußt in der Nähe von Waisenhäusern errichtet, um die billigen Kinderarbeitskräfte in Reichweite zu haben. Im Sinn der "Erziehung zur Arbeit" wurde eine lange Arbeitszeit durchgesetzt. Von staatlicher Seite wollte man auf diese Weise der "Faulheit" der unteren Bevölkerungsschichten begegnen und politischem Engagement entgegenwirken.

Die Einführung der Allgemeinen Schulpflicht  war für die Kinder eine zusätzliche Belastung, weil es bedeutete, daß sie einem 8 bis 10-stündigen Arbeitstag abends noch in die Schule gehen mußten

Das 19. Jahrhundert mit seiner starken Industrialisierung führte zur Fortsetzung der Kinderarbeit. So entwickelte sich ein unmenschlicher Kreislauf: hohes Arbeitskräfteangebot erleichterte niedrige Löhne, die daraus resultierende Armut und der Kinderreichtum der unteren Bevölkerungsschichten mündete wieder in hohem Arbeitskräfteangebot. 1842 kam es erstmals zum Arbeitsverbot für Kinder, die Gewerbeordnung von 1859 schränkte auch die Beschäftigung von Jugendlichen ein. Die Praxis hinkte allerdings den gesetzlichen Regelungen um Jahrzehnte nach und wurde oft genug umgangen.

Nach dem 2.Weltkrieg regelte 1948 das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz den Arbeitsschutz von Kindern und Jugendlichen. Ausnahmen für die Kinder gelten nur in der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft.
Exkurs Ende

1788 wurde, um die Schulbesuchsquote zu heben, beschlossen, die Allerärmsten von der Bezahlung des Schulgeldes zu befreien. In den Gemeinden unseres Bezirkes gehörten etwa 60 Prozent der Familien zu dieser Kategorie.

Im gleichen Jahr legte der Reindorfer Lehrer Simon Westermayer sein Amt zurück, die Schule wurde geschlossen. Nun wurde endlich einem schon Jahre zurückliegenden Ansuchen der fünf Gemeinden nach einer gemeinsamen Pfarrschule entsprochen. Sie wurde 1789 in einem Privathaus neben dem Reindorfer Pfarrhof in der Reindorfgasse eingerichtet. Gleichzeitig wurde die Fünfhauser Schule geschlossen, ihr Lehrer, Andreas Bauer, wurde zum Leiter der neuen Schule bestellt.

Aus den Schulgeldern, die er eintreiben mußte, erhielt der Lehrer 13 Kreuzer täglich als Gehalt. Er war außerdem verpflichtet, als Mesner in der Kirche zu arbeiten, wofür er jährlich 40 Gulden bekam.

Im Eröffnungsjahr waren 100 Mädchen und 81 Buben dieser fünf Gemeinden schulpflichtig. Nur etwa die Hälfte von ihnen besuchte die Schule regelmäßig, da sich die Behörden nicht um die Befolgung der Schulpflicht kümmerten (1801 waren in den fünf Dörfern 305 schulpflichtige Kinder registriert, von denen 140 die Schule besuchten). Sie hielten sich damit wohl an die Auffassung der "Studien-Revisions-Commission" der kaiserlichen Regierung, die unter dem Eindruck der Französischen Revolution 1795 erklärt hatte, ein "Übermaß an Geistesbildung" sei die "Ursache des Eigendünkels" sei, der "das Landvolk zur Unzufriedenheit reizt" und "die ganze politische Welt in Brand zu stecken droht". (Zitat Ebner-Eschenbach (1830-1916): "Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit").

1808 wurde das Schulgeld auf drei Kreuzer verdreifacht. Der Lehrer erhielt nun zusätzlich am Winterbeginn 40 Kreuzer Holzgeld und sieben Kubikmeter weiches Holz, das er sich vom Lagerplatz in Hütteldorf holen mußten. Nach dem Tod Andreas Bauers im Jahre 1800 wurde Franz Hagen als Lehrer angestellt, 1814 folgte ihm Kaspar Kraft. Nach dessen Tod im Jahr 1822 bewarben sich 150 Lehrer um die Stelle, ein Beweis für die große Arbeitslosigkeit unter den Lehrer. Johann Kratzl wurde ausgewählt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schule schon ein eigenes Gebäude, das um 1790 in der jetzigen Oelweingasse 1 errichtet worden war. Nach dem Amtsantritt von Johann Kratzl erwies es sich als baufällig und vor allem als zu klein, da die Zahl der schulpflichtigen Kinder auf 1200 angestiegen war. Man entschloß sich, in der Oelweingasse 7 einen größeren Neubau zu errichten. Während der Bauarbeiten wurden die Schulklassen in gemieteten Privatwohnungen untergebracht. Die neue Schule wurde 1826 fertig.

Bis zur Revolution 1848 änderte sich am Schulsystem nichts. Seine Mängel erwiesen sich als immer drückender. Die sich entwickelnde Industrie benötigte Arbeitskräfte, die ordentlich lesen, schreiben und rechnen konnten, die also in der Grundschule für eine weitere Ausbildung zu Fachkräften vorbereitet wurden. Dieser Druck bewirkte schließlich eine Verbesserung des Schulwesens. 1853 wurde auch das Schulgeld für die Trivialschulen beseitigt.

Die erste Schule in unserem Bezirk, deren Niveau über die Trivialschule hinausreichte, war eine Privatschule. Franz Tobisch erhielt 1849 durch einen Erlass des ”hohen Unterrichtsministeriums” die Erlaubnis zur ”Haltung einer Bürgerschule”. Noch im selben Jahr eröffnete er sie im Haus Arnsteingasse 14/Herklotzgasse 39. Sie bestand bis 1869, als  eine öffentlich Bürgerschule eingerichtet wurde (siehe unten). Die Unterrichtsfächer waren:

  • Religion
  •  Rechnen
  •  Geometrie
  •  Physik
  •  Naturgeschichte,
  •  Sprachlehre
  •  Dictandoschreiben
  •  Schönschreiben
  •  Italienisch
  •  Zeichnen

1863 wurde in der Lehnergasse 4 die erste öffentliche Schule errichtet, die über die Trivialschule hinausreichte. Ausser Schreiben, Lesen und Rechnen wurden auch Natur- Vaterlandskunde, Gesang und Zeichnen unterrichtet.

Mit der Schulgesetzgebung 1869 wurde der neue Typ der Bürgerschule geschaffen, die etwa unserer heutigen Hauptschule entspricht. Die Gemeinde Rudolfsheim gründete noch im gleichen Jahr in einem Gebäude neben dem Gemeindehaus Dadlergasse 9 eine solche Bürgerschule, die erste in Niederösterreich (!!). Für diese Schule mußte allerdings das recht beachtliche Schulgeld von einem bis 1,50 Gulden monatlich entrichtet werden. Dementsprechend niedrig war die Zahl der SchülerInnen.

Mit der Schulgesetzgebung 1869 wurde der neue Typ der Bürgerschule geschaffen, die etwa unserer heutigen Hauptschule entspricht. Die Gemeinde Rudolfsheim gründete noch im gleichen Jahr in einem Gebäude neben dem Gemeindehaus Dadlergasse 9 eine solche Bürgerschule, die erste in Niederösterreich (!!). Für diese Schule mußte allerdings das recht beachtliche Schulgeld von einem bis 1,50 Gulden monatlich entrichtet werden. Dementsprechend niedrig war die Zahl der SchülerInnen.

Weitere Gründungen von Bürgerschulen

1886:  im Neubau Friedrichsplatz 4-5

1894:  Heinickegasse 5

1902:  Sechshauserstraße 71

1911:  Diefenbachgasse 15-19

1927 wurden die Bürgerschulen in Hauptschulen umbenannt.

VOLKSSCHULEN

Die Schulgesetze von 1867 und 1869 trugen der wirtschaftlichen Realität Rechnung. Aus den primitiven Trivialschulen wurden die Volksschulen, die Pflicht zum Schulbesuch wurde durchgesetzt. Die räumlichen Voraussetzungen blieben allerdings noch unzureichend, mehr als hundert Kinder in einer Klasse waren die Regel. Der Umschwung kam erst nach der Eingemeindung der Vororte nach Wien.

Das älteste Schulgebäude unseres Bezirks in der Ölweingasse, wurde bis 1894 benützt. Dann übersiedelten die Mädchen in die Dadlergasse 9. 1898 wurde die Volksschule Ortnergasse 4 eröffnet.

In Sechshaus wurde 1826 in der Pillergasse eine Pfarrschule errichtet, für die 1828 in der Storchengasse 21 ein Neubau eingerichtet wurde. 1870 übersiedelte die Schule in den weit größeren Neubau Kellinggasse 7.

In Rustendorf wurde 1852 in der Lehnergasse 4 die erste Schule eröffnet, 1880 die zweite, Goldschlagstraße 108. 1901 übersiedelten die Knaben in den Neubau Goldschlagstraße 113, während die Mädchen in der alten Schule blieben. Die Schule in der Lehnergasse wurde 1903 geschlossen, statt dessen die neue Schule Kauergasse 3 und 5 eröffnet. 1908 wurden die Knabenvolksschule Meiselstraße 19 und die Mädchenvolksschule Johnstraße 40 fertiggestellt.

Erinnerungen von Fr. Hermine Gatterer, geb. 1892, niedergeschrieben 1984 im Rahmen eines Geschichtenwettbewerbes, ausgeschrieben von der ev. Pfarrgemeinde:

“Ich wurde im Jahr 1892 im heutigen Haus Mariahilferstraße 206 geboren, doch hieß es dort bei meiner Geburt, lt. Taufschein Rudolfsheim Schönbrunnerstraße 74, mein Vater im selben Haus 1857 Rustendorf, Pfarre Reindorf 48. Da mußte man nach den Erzählungen meiner Mutter, Wasser vom öffentlichen Brunnen holen, oder eine Butte voll bringen lassen was 14 Kreuzer kostete. Das Haus soll sehr schön gewesen sein, doch wenn ein Besitzer das Haus niederriß und ein neues bauen lies, brauchte er 10 Jahre keine Steuer zahlen.

Wir übersiedelten in die Pereiragasse, heutige Jurekgasse, die von der Lehnergasse eine Sackgasse war, abgeschlossen mit einer Holzplanke eines großen Gartens, der bis zur Kauergasse ging, ein Paradies für uns Kinder. Die Mütter trugen uns Sessel und Bänke herunter, waren 12-15 Kinder und spielten brav und ohne Aufsicht, bis wir wieder vom Fenster aus zum Essen gerufen wurden.

Als ich zur Schule kam (Lehnerg. 4, Anm.), mußte meine Mutter 5 Gulden bezahlen, da ich noch nicht 6 Jahre alt war. Da ich sehr groß war, wurde ich von den anderen Kindern zur Frau Lehrerin erkoren, wo ich dann Schulstunden abhielt: Rechnen bis 10, Sprücherl, Singen, Turnen, da waren die 3 Dreijährigen die gelehrigsten Schüler; erzählte dann nach der Schulstunde immer ein Märchen, was mit Begeisterung aufgenommen wurde. Ich wurde dann sehr krank, ein ganzes Quartal nicht in der Schule, und vom Arzt am Ostermontag vom Leben abgeschrieben, doch durch die wunderbare Pflege meiner Mutter wieder gesund.

In der 2. Klasse bekamen wir einen Lehrer, da mußten wir beide Hände auf die Bank legen und darüber einen Bleistift; fiel er herunter, bekam man eine Ohrfeige. Zur Jause durften wir nur trockenes Brot oder Semmel, auch kein Obst mitnehmen, wie geht es da den heutigen Kindern gut! In der 3. Klasse eine strenge Lehrerin.

Mit der 4. Klasse übersiedelten wir in die Sperrgasse, wo es noch keine Schule gab, da war meine Schule das Eckhaus Rosinagasse - Viktoriagasse (Privathaus?). Diese Frau Lehrerin war eine Freundin der vorigen, die mich als sehr brav geschildert haben muß, denn ich bekam gleich die Aufsicht über die Lehrmittel, wo ich dann, wenn eine Mitschülerin ein Rechen- oder Lesebuch vergaß, heimlich eines vom Kasten verborgte, wofür ich einmal ein Lob bekam, da seit meiner Aufsicht keiner etwas vergaß.

Danach passierte dann, das ich meinen Atlas vergaß, wollte mir natürlich einen aus dem Kasten nehmen, war aber keiner da, bekam öffentlich zur Strafe den Auftrag 25mal zu schreiben, habe meinen Atlas vergessen, mit Vaters Unterschrift, aber wir hatten immer auch Nachmittags Schule, da flüsterte mir die Lehrerin nachher zu, ich brauche das nicht schreiben, sie habe das nur wegen der anderen gesagt.

Dann kam die Bürgerschule Friedrichsplatz, mit Lehrern verschiedener Temperamente. Ein Geschichtslehrer hat so wunderbar vorgetragen, daß man das Gefühl hatte, selbst bei diesem Ereignis dabei gewesen zu sein, er legte bei mir den Grundstock zur Liebe für Vorträge, daß ich dann eifrige Besucherin in der Stöbergasse wurde.

Habe 44 Arbeitsjahre hinter mir, da gab es keinen freien Samstag, sondern täglich 9 Stunden Arbeitszeit. Wenn man einmal ins Theater ging, mußte man den Chef bitten, früher wegzugehen, es gab keinen gesetzlichen Urlaub, keine Überstunden Bezahlung, bei Inventur bis 10 Uhr Nachts; - da wir einen guten Chef hatten, ein Nachtmahl und zu Weihnachten ein Geschenk nach Wahl.

In Pension konnte man auch erst mit 60 Jahren gehen (1952, Anm.), wo ich Pech hatte, 2 Jahre freiwillig weiterzuzahlen, da sich unsere Firma auflöste. Es gab auch keine Höherversicherung, sondern die Einzahlung war bis zu einem gewissen Betrag vorgeschrieben, was mich heute zu einem Altrentner stempelt.

Beschließe meinen Lebensabend im "Pensionistenheim Schmelz" in der Ibsenstrasse und erhoffe mir noch ein paar Jahre in meinem jetzigen Lebenszustand."

Für die Kinder der östlichen Schmelzgründe wurde, nach einem Provisorium im Privathaus Märzstraße 48, im Jahre 1875 das Schulhaus Stättermayergasse 27 und 29 erbaut, dem 1884 ein drittes Stockwerk aufgesetzt wurde. Da sich die Schule trotzdem bald wieder als zu klein erwies, wurde 1890 die Schule Selzergasse 19 gebaut, der 1893 Kröllgasse 20 und 1899 Märzstraße 70 und 72 folgten

In Fünfhaus wurde 1826 in einem Privathaus in der Turnergasse eine Pfarrschule eingerichtet. 1827 konnte den einstöckigen Neubau Herklotzgasse 21 beziehen, der 1869 zwei Stockwerke aufgesetzt erhielt. 1853 wurde ein weiteres Schulgebäude, Viktoriagasse 2, errichtet. Während die Mädchen bis 1906 in der Herklotzgasse blieben, übersiedelten die Knaben von dort 1881 in die neue Volksschule Talgasse 2. 1907 übersiedelten die Mädchen in den Neubau Friesgasse 10  (heutige Oskar-Spiel-Schule). Statt der Schule Viktoriagasse 2 wurden 1906 die neuen Gebäude Sperrgasse 8-10 und Viktoriagasse 4 eröffnet.

In Neu-Fünfhaus, nördlich der Westbahn, wurde 1870 eine Notschule im Privathaus Zinckgasse 3 eingerichtet. 1872 wurde das Schulgebäude Hackengasse 13 eröffnet. Es folgten 1881 Hackengasse 11, 1894 Zinckgasse 12-14, 1909 Goldschlagstraße 14-16. Der Schule in der Zinckgasse wurde 1895 die erste Taubstummenschule Wiens angegliedert.

Abschluss und Höhepunkt der Schulbautätigkeit vor dem Ersten Weltkrieg war der imposante Block Schweglerstraße - Felberstraße - Benedikt Schellinger-Gasse, der 1913 fertiggestellt wurde.

Im Jahr 1914 gab es in den Bezirken Rudolfsheim und Fünfhaus 23 Volksschulen und 6 Bürgerschulen mit insgesamt fast 18 000 SchülerInnen. Seither ist die Schülerzahl wegen der sinkenden Einwohnerzahl und des Geburtenrückganges ständig kleinergeworden. Derzeit gibt es in den Volks- und Hauptschulen unseres Bezirks etwa 3000 SchülerInnen. In Anpassung an diese Entwicklung wurden viele Schulgebäude für andere Verwendungszwecke umgebaut oder durch Neubauten ersetzt.

In der Stättermayergasse 29 und in der Sperrgasse 8-10 wurden nach dem Ersten Weltkrieg öffentliche Volksschulen mit tschechischer Unterrichtssprache eingerichtet. Mehr als 8000 BewohnerInnen von Rudolfsheim und Fünfhaus gaben damals Tschechisch als ihre Muttersprache an. Diese Schulen wurden von den Nationalsozialisten geschlossen.

HÖHERE SCHULEN

Die  älteste höhere Schule unseres Bezirkes war eine 1860 in Rudolfsheim gegründete private Unterrealschule, die aber nach zwei Jahren wegen Schülermangels wieder geschlossen wurde.

1867 beantragte die Gemeinde Rudolfsheim die Errichtung einer staatlichen Oberrealschule, jedoch erfolglos. 1871 unternahmen sechs Gemeinden des Gerichtsbezirkes Sechshaus gemeinsam einen neuen Vorstoß. Mit einer Gedenkschrift vom 7. Februar beantragten sie die Errichtung einer Realschule, verbunden mit einer Fachschule für Färber und Drucker, beim k.k. Ministerium für Cultus und Unterricht. Sie erklärten sich bereit, 100 000 Gulden zum Bau der Schule beizusteuern. Etwa ein Jahr später wurde den Gemeinden mitgeteilt, daß “auf Grund der mit Allerhöchster Entschließung vom 15. Februar 1872 allergnädigst ertheilten Ermächtigung” der Gründung der Schule nichts mehr im Wege stehe.

Die Situation wird 1873 im ersten Jahresbericht der Schule geschildert: “Der Gerichtsbezirk Sechshaus umfaßt die Gemeinden: Fünf- und Sechshaus, Rudolfsheim, Gaudenzdorf, Ober- und Untermeidling; seine Einwohnerzahl wird in nicht gar langer Zeit hunderttausend erreichen. Im Jahre 1871 bestanden in diesem Bezirk sieben Volksschulen mit 74 Klassen, welche von 8300 Schülern besucht wurden; ferner waren hier um jene Zeit eine für acht Jahrgänge berechnete Bürgerschule, 15 gewerbliche vorbereitende Classen und eine gewerbliche Fortbildungsschule - es fehlte jedoch in diesem reich und dichtbevölkerten, industriell und mercantil bedeutenden Bezirke eine Mittelschule. Die k.k. Ober-Realschule am Schottenfeld und die Communal-Unter-Realschule zu Gumpendorf konnten diesem Mangel nur wenig abhelfen, weil sie einerseits zu entfernt von den Ortschaften des Gerichtsbezirkes Sechshaus liegen, und andererseits von ihrer eigenen, nächsten Umgebung hoch in Anspruch genommen sind.”

Es dauerte allerdings noch fünf Jahre, bis die Realschule ihr eigenes Gebäude am Henriettenplatz beziehen konnte. Bis dahin war sie provisorisch im Volksschulgebäude Oelweingasse 7 untergebracht, wo die Schule am 12. Oktober 1872 eröffnet wurde. Bis zur Übersiedlung auf den Henriettenplatz mußte die Schule wegen Platzmangels auf die vier Klassen der Unterstufe beschränkt bleiben, dann erst konnte jährlich um eine Stufe aufgestockt werden, bis zur 7. Klasse, die Maturaklasse war. Der “Normal-Lehrplan für Realschulen in Niederösterreich” sah folgendermaßen aus:

Religion (nur von der 1. bis zur 4.Stufe, jeweils 2 Stunden pro Woche)

Deutsch

Französisch

Englisch (erst ab der 5. Stufe)

Geographie (von der 1. bis zur 4. Stufe)

Geschichte (ab der 2. Stufe)

Mathematik

Naturgeschichte (nur in der 1. und der 2. Stufe und wieder ab der 5. Stufe)

Physik (in der 3. und 4.Stufe und wieder in der 6. und 7. Stufe)

Chemie (von der 4. bis zur 6. Stufe)

Geometrisch Zeichnen (ab der 2. Stufe)

Freihändig Zeichen

Schreiben (1. und 2. Stufe)

Turnen (2 Stunden pro Woche)

Am Beginn unseres Jahrhunderts wurde auch ein Realgymnasium eingerichtet, das zuerst provisorisch in der Volksschule Kauergasse 2 untergebracht war und 1911 in die Diefenbachgasse 19 übersiedelte, sich allerdings vorerst mit dem obersten Stock begnügen mußte, weil in den anderen Räumen eine Bürgerschule untergebracht war.

Der Zweite Weltkrieg brachte für alle Schulen, besonders aber für die höheren Schulen, einen Rückschlag. Schulen wurden zusammengelegt, um Gebäude für die Errichtung von Lazaretten freizubekommen. Die im 15. bestehenden höheren Schulen wurden auf dem Henriettenplatz zusammengezogen. Unterricht war abwechselnd am Vormittag und am Nachmittag. 1943/44 wurden die 8. Klassen für Burschen geschlossen, weil alle Schüler eingerückt waren. Im Sommer 1944 wurden die Schüler der 5. und 6. Klassen als Flakhelfer eingezogen, die älteren mußten einrücken. Die Mädchen und die Knaben bis zur 4. Klasse wurden in der Mehrzahl aus Wien weg in “Kinderverschickungslager” gebracht. Weihnachten 1944 wurden die Schulen geschlossen. Erst nach Kriegsende im Juli 1945 konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden.

Das Gymnasium für Berufstätige am Henriettenplatz ermöglicht es Erwachsenen, im Abendunterricht neben ihrer beruflichen Tätigkeit, die Maturareife zu erlangen. Sie wurde von der Arbeiterkammer als “Arbeitermittelschule” gegründet und befindet sich seit 1947 am Henriettenplatz. Seit 1950 besitzt sie unter ihrem jetzigen Namen das Öffentlichkeitsrecht.

BERUFSSCHULEN

Im Schuljahr 1926/27 wurde in der Zweiten Zentralberufsschule Wiens in der Hütteldorferstraße 7-17 der Unterricht aufgenommen. In einer schwierigen Zeit war eines der größten Schulbauprojekte in der Geschichte Wiens begonnen und abgeschlossen worden. Auf einer Fläche von 13 000 Quadratmetern wurden 8000 Quadratmeter verbaut, die Pläne stammten von den Architekten Josef Hofbauer und Wilhelm Baumgarten.

Ausbildung für: Tischler, Damenschneider, Graphiker und Anstreicher, Zimmerer, Faßbinder, Dachdecker und Drechsler. Mehr als 120 000 Jugendliche haben bisher diese Schule absolviert. 1978 begann eine Generalsanierung.

Schulstand vom Mai 1998:

1) Volksschulen:

Benedikt-Schellinger-G. 1-3

Friedrichspl. 5

Friesg. 10 (Oskar-Spiel-Schule)

Goldschlagstr. 14-16

Johnstr. 40

Meiselstr. 19

Ortnerg. 4

Reichsapfelg. 30

Selzerg. 19

2) Hauptschulen:

Friedrichspl. 4

Schweglerstr. 2-4/HS/naturkundl.-techn. Schwerpunkt

Sechshauserstr. 71/HSI/Schwerpunkt Informatik

Selzerg. 25/HS/fremdsprachlicher Schwerpunkt

3) Polytechnische Lehrgänge:

Benedikt-Schellinger-G. 1-3/Polyt

4) AHS:

Diefenbachg. 19/BGymn. u. BRealgymn.

Henriettenpl. 6/BRealgymn. f. Berufst. /BRealgymn.(Tagesschule)

Auf der Schmelz 4/BGymn./BRealgymn. u. Wirtschaftskundl. BRealgymn. f. Md.

Possingergasse 4

5) Katholische Privatschulen:

Friesg. 4-8 (seit 1867)/Arme Schulschwestern v. unserer Lb Frau/VS+HS/Gymn., RGymn. u. wirtschaftskundliches RGymn./Handelsschule

Gebrüder-Langg. 4-8 (1869)/Schulbrüder/VS+HS

6) Schulgemeinde berufsbildender Schulen Wiens/Berufsschulen

Hütteldorferstr. 7-17

Kröllg. 26/Einzelhandel

Goldschlagstraße/Einzelhandel

Kauergasse 5/Großhandel/Bürokaufleute

7) Sonderschulen:

Zinckg. 12-14/Sonderschule f. sehbeh. Kinder

Kröllg. 20/Allgem. Sonderschule

8) Musikschulen u. Kindersingschulen:

Schwenderg. 41

9) Bi Med Berufsaus- u. Weiterbildungsinstitut, Kurt Josef Bauer GesmbH

Schwenderg.7-13/Stg. 3

Bezirksmuseum
15. Rudolfsheim-FünfhausP
1150, Rosinagasse 4
Museumsleiterin
Prof. Mag. Brigitte Neichl

Tel:  01/4000 15127  0664 2495417
Mail: bm1150@bezirksmuseum.at
 
Erreichbarkeit
U 3, U 6 - Westbahnhof

Linien 52, 58 - Staglgasse


Öffnungszeiten
Montag 17.00 bis 19.00 Uhr

Freitag 15.30 bis 17.30 Uhr
Geschlossen
Schulferien und Feiertage
 
Freier Eintritt
Impressum