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Das Einküchenhaus: Der Heimhof

Das Wiener Einküchenhaus, der "Heimhof",steht in der Pilgerimgasse 22-24. Der Architekt war Otto Polak. Der erste Teil, die Stiege 1 mit 35 Wohnungen, wurde von der "Heimhofgenossenschaft" 1923 eröffnet. Zentralküche, Speiseraum und Wäschereien waren bereits für die spätere Größe von 246 meist Ein- oder Zweizimmerwohnungen ausgelegt.

Nach finanziellen Schwierigkeiten der Genossenschaft übernahm die Gemeinde Wien 1925/26 den Ausbau des "Heimhofes". Die Verwaltung blieb bei der "Heimhofgenossenschaft".

Bereits 1911 wurde im 18. Bezirk, in der Peter-Jordan-Straße 32-34 ein "Heimhof" für alleinstehende beruflich tätige Frauen errichtet. "Ein gemeinnütziger Verein hat hier die Lieblingsidee der im Vorjahr verstorbenen Frauenführerin Auguste Fickert in der generösesten Form zur Verwirklichung gebracht." (Döblinger Nachrichten. Oktober 1911).

Der große "Heimhof" für Ehepaare und Familien im 15. Bezirk war die logische Fortsetzung

Eine Entwicklungslinie zu diesem Wohnkonzept leitete sich aus der frühen Frauenbewegung her, eine andere aus dem zunehmenden Problem, DienstbotInnen zu finden.

Von beiden Linien sind Elemente im "Heimhof" verwirklicht worden. Die Hausfrau sollte von schwerer Hausarbeit entlastet werden, moderne Einrichtungen wie Zentralheizung, eine mit allen verfügbaren technischen Hilfsmitteln der Zeit eingerichtete Zentralküche, Speiseaufzug, Wäscherei, Staubsauganlage, Müllschacht waren dafür vorhanden.

Die Mahlzeiten konnten wahlweise im Speiseraum eingenommen oder mit dem Speiseaufzug in die Wohnung bestellt werden.

Die häuslichen Arbeiten wie Aufräumen, Kochen und Wäschewaschen wurden von Angestellten verrichtet und von den MieterInnen bezahlt.

Im Speisesaal fanden oft wissenschaftliche und politische Vorträge und unterhaltsame Veranstaltungen statt. Eine große Dachterrasse bot Gelegenheit zur Entspannung und zu geselligem Zusammensein

Das soziale Potential wird etwas erkennbarer, wenn man sich vorstellt, daß im Heimhof die übliche disziplinierende Hausherrschaft, der sich der Mieter stets zu unterwerfen hat, nicht nur eigentumsrechtlich durch die Genossenschaftskonstruktion aufgehoben war, sondern überdies in einem aktiven Sinne: Alljährlich wurden Hausbewohner gewählt, die für die Verwaltung und die Führung der Zentralküche verantwortlich waren. Sie beriefen regelmäßig Hausversammlungen ein, in denen Anregungen und Beschwerden der Hausbewohner besprochen wurden."

Auch ein Kindergarten war im Heimhof untergebracht

Die Kommentare der bürgerlichen Presse, sowie diverser Politiker waren meist nicht positiv:

"Gemeinsame Küchen in Mietshäusern sind abzulehnen, alles ist abzulehnen, was die seelischen Kräfte der Familie zerstört." (Reichspost. 5.9.1925)

"Es ist ein Unsinn, wenn eine Familie in einem solchen Einküchenhaus wohnt. Es ist auch aus sittlichen Gründen nicht anzuraten, der Hausfrau alle Sorgen für den Haushalt abzunehmen. Die junge Hausfrau soll sich nur sorgen, sie soll wirtschaften und sparen lernen, das wird ihr für die Zukunft nur von Nutzen sein." (Gemeinderatssitzung. 9.3.1923. Sitzungsprotokoll).

Das Einküchenhaus blieb ein isoliertes Experiment. Bereits zu Beginn des Austrofaschismus (1934), spätestens aber bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1938, fand die Idee von Auguste Fickert ein Ende.

Speisesaal und Zentralküche wurden zugesperrt, die Gemeinschaftseinrichtungen unterteilt,.nachträglich Küchen in die Wohnungen eingebaut. Jede Frau sollte wieder in ihrem eigenen "kleinen Reich" für die Familie (= Mann und Kinder) arbeiten

Der "Heimhof" wurde in den 1990er Jahren renoviert. Seit 1993 wurden Wohnungen zusammengelegt, die Fassade, das Dach und die Fenster in Ordnung gebracht, Aufzüge wurden eingebaut. Der bestehende Kindergarten wurde erweitert.

Vom einstigen Projekt ist nur mehr der Name geblieben ...

Quellen:

Unterlagen Bezirksmuseum

Felix Czeike:"Historisches Lexikon Wien"

Zeitschrift "Wohnen" Oktober 1996

"Wiener Blatt". Nr.11/96

Bezirksmuseum
15. Rudolfsheim-FünfhausP
1150, Rosinagasse 4
Museumsleiterin
Prof. Mag. Brigitte Neichl

Tel:  01/4000 15127  0664 2495417
Mail: bm1150@bezirksmuseum.at
 
Erreichbarkeit
U 3, U 6 - Westbahnhof

Linien 52, 58 - Staglgasse


Öffnungszeiten
Montag 17.00 bis 19.00 Uhr

Freitag 15.30 bis 17.30 Uhr
Geschlossen
Schulferien und Feiertage
 
Freier Eintritt
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